Margaret Ellis Millar (* 5. Februar 1915 in Kitchener, Ontario; † 26. März 1994 in Santa Barbara, Kalifornien), geborene Margaret Ellis Sturm, war eine kanadische und später US-amerikanische Krimi-Autorin.

Leben

Margaret Millars Vater Henry William Sturm war Geschäftsmann und in den Jahren 1933/34 Bürgermeister von Kitchener. Sie besuchte das Kitchener-Waterloo Collegiate Institute (1929–1933) und studierte anschließend klassische Philologie an der University of Toronto (1933–1936, ohne Abschluss). 1938 heiratete sie ihren Jugendfreund Kenneth Millar. Im Jahr darauf wurde ihre Tochter Linda geboren. Die Familie zog nach Ann Arbor, Michigan, und lebte dort von 1942 bis 1944. Ihr Mann wurde Soldat, und sie arbeitete zwei Jahre als Drehbuchschreiberin für Warner Bros. in Hollywood (1945/46). Nach Kriegsende zogen die Millars nach Santa Barbara. Seit 1958 lebten sie außerhalb in einem bewaldeten Canyon. Ihre Tochter starb schon 1970.

Ihr Mann arbeitete zunächst als Lehrer, später war er als Schriftsteller erfolgreich. Unter dem Pseudonym Ross Macdonald erschienen seit 1949 seine Romane um Lew Archer in der Tradition der harten Schule des Kriminalromans und der Nachfolge von Dashiell Hammett und Raymond Chandler. Zunächst war Margaret Millar erfolgreicher und bekannter als ihr Ehemann Kenneth Millar. Als man ihr Filmrechte abkaufte, konnte die Familie ein Haus kaufen. Ein Film, in dem Bette Davis die Hauptrolle übernehmen sollte, wurde allerdings nicht gedreht.

Ihr erster Roman, The Invisible Worm (1941), führte den Psychiater Paul Prye als Ermittler ein. Die Wahl seines Berufes zeigt Millars Interesse an Psychologie, das in den meisten ihrer Bücher deutlich wird. Sie gilt als eine frühe realistische Betrachterin der weiblichen Psyche im Kriminalroman. Aber auch die kriminalistische Recherche vernachlässigte sie nicht. Vierzig Jahre lang war sie als Beobachterin bei Mordprozessen anwesend.

Nach drei bei Doubleday veröffentlichten Romanen lehnte der Verlag ein weiteres Buch ab. Millar wechselte zu Random House, der ihr Hausverlag blieb.

Als ihr künstlerischer Durchbruch gilt dem Kritiker H.R.F. Keating Beast in View von 1955 (Liebe Mutter, es geht mir gut ...), für das sie 1956 den Edgar Allan Poe Award erhielt. Keating nahm es 1987 in seine Liste der 100 besten Kriminalromane aller Zeiten auf.[1]

Viele Romane des Ehepaars Millar spielen in Kalifornien. Millar engagierte sich seit den 60er Jahren für den Umweltschutz und gründete den kalifornischen Ableger der National Audubon Society, einer Umweltschutzorganisation. In ihrem Sachbuch The Birds and the Beasts Were There beschreibt sie ihre Naturbeobachtungen in den Canyons rund um ihren Wohnort. Nach dem Tod ihrer Tochter erschien sechs Jahre lang kein neues Buch von ihr. Sie veröffentlichte dann doch noch fünf Bücher, ein letztes drei Jahre nach dem Tod ihres Mannes 1983. Margaret Millar starb am 26. März 1994 im Alter von 79 Jahren. Ihre Asche wurde in Santa Barbara verstreut.

Auszeichnungen

Bibliographie

die Paul Prye-Reihe
  • The Invisible Worm, 1941
  • The Weak-Eyed Bat, 1942
  • The Devil Loves Me, 1942
die Inspektor Sands-Reihe
  • Wall of Eyes, 1943
  • The Iron Gates / auch als: Taste of Fears, 1945.
    • Sendbote des Teufels; dt. von Karin Reese; Desch, München/Wien/Basel 1964
    • auch als: Das eiserne Tor, dt. von Karin Reese u. Michel Bodmer; Diogenes, Zürich 1983. ISBN 978-3-257-21063-7
andere Romane
  • Fire Will Freeze, 1944
  • Experiment in Springtime, 1947
  • It’s All in the Family, 1948
    • Das Fräulein Tochter, dt. von J. N. Lorenz, Schwingen, Kufstein/Wien 1951
    • Neuübersetzung: Es liegt in der Familie, dt. von Klaus Schomburg, Diogenes, Zürich 1997. ISBN 978-3-257-22965-3
  • The Cannibal Heart, 1949
  • Do Evil in Return, 1950
  • Rose’s Last Summer, 1952
  • Vanish in an Instant, 1952
  • Wives and Lovers, 1954
    • Erwecket die Liebe nicht, dt. von Helmut Eilers; Dörner, Düsseldorf 1964
  • Beast in View, 1955
  • An Air That Kills, auch: The Soft Talkers, 1957
    • Vom Zufall entlarvt, dt. von Georg Kahn-Ackermann; Desch, München/Wien/Basel 1962
    • auch als: Die Süßholzraspler; dt. von Georg Kahn-Ackermann u. Susanne Feigl; Diogenes, Zürich 1981. ISBN 978-3-257-20926-6
  • The Listening Walls, 1959
    • Die lauschenden Wände, dt. von Rosmarie Kahn-Ackermann; Desch, München/Wien/Basel 1962
    • Neuübersetzung: Die lauschenden Wände, dt. von Karin Polz; Diogenes, Zürich 1986. ISBN 978-3-257-21421-5
  • A Stranger in My Grave, Random House, New York City 1960.
  • How Like an Angel, 1962
    • Das Geheimnis der Sekte, dt. von Luise Däbritz; Desch, München/Wien/Basel 1965
    • auch als: Fast wie ein Engel, gleiche Übersetzung; Diogenes, Zürich 1984, ISBN 978-3-257-21190-0
  • The Fiend, 1964
  • Beyond This Point Are Monsters, 1970
die Tom Aragon-Reihe
späte Romane
Non-Fiction (Vogelbeobachtung)
  • The Birds and the Beasts Were There, 1968. Autobiographische Elemente.
Nachlass
  • The Couple Next Door, 2004. Tom Nolan (Hrsg.). Unveröffentlichtes und Zeitschriftenpublikationen.

Literatur

  • John M. Reilly: Margaret Millar. In: Earl F. Bargainnier (Hrsg.): Woman of Mystery, Popular Press, 1981, S. 224–246.
  • Elizabeth Blakeslay Lindsay: Great Woman Mystery Writers. Greenwood, 2007, S. 174–178.

Belege

  1. kirjasto.sci.fi (Memento vom 21. Januar 2015 im Internet Archive)
  2. Kannibalenherz in der Hörspiel-Bearbeitung von Valerie Stiegele, NDR 1989, Länge: 56’50, wurde 'Zum 100. Geburtstag von Margaret Millar' vom Deutschlandradio Kultur am 2. Februar 2015 gesendet