
Als Kolonialismus wird die dauerhafte Inbesitznahme von Territorien und die Unterwerfung, Vertreibung oder Ermordung der dort ansĂ€ssigen Bevölkerung durch eine auswĂ€rtige Macht bezeichnet. Kolonisten und Kolonialisierte stehen einander dabei kulturell in der Regel fremd gegenĂŒber, was bei den Kolonialherren im neuzeitlichen Kolonialismus mit dem Glauben an eine kulturelle Ăberlegenheit ĂŒber die sogenannten âNaturvölkerâ und teils an die eigene rassische Höherwertigkeit verbunden war.[1] Diese Vorstellung wurde durch frĂŒhe Theorien einer soziokulturellen Evolution gestĂŒtzt. Die Kolonisierung der Welt durch europĂ€ische Nationen war sowohl Folge als auch Triebkraft der Ideologie des Eurozentrismus.[2] Als Akteure beteiligten sich Privatleute, Firmen und Staaten, die Kolonialisierungen zunĂ€chst meist förderten oder absicherten. Auf lĂ€ngere Sicht gerieten die eingerichteten Kolonien fast alle in staatliche Hand.
Der Ausdruck Kolonialismus bezeichnet neben dem politischen Sachverhalt der Kolonialherrschaft auch eine historische Phase, die Kolonialzeit bzw. das Zeitalter des Kolonialismus, das im SpĂ€tmittelalter und frĂŒher Neuzeit beginnt: Nachdem zunĂ€chst die Portugiesen auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien ab 1415 StĂŒtzpunkte auĂerhalb Europas in Besitz genommen hatten, bildeten europĂ€ische MĂ€chte seit der ersten Amerikareise von Christoph Kolumbus 1492 Kolonialreiche in Ăbersee: neben Portugal und Spanien bald auch die Niederlande, England und Frankreich. Der Kolonialismus ging mit der europĂ€ischen Expansion einher. Im Zuge der Amerikanischen und der Französischen Revolution erklĂ€rten erste Kolonien ihre SouverĂ€nitĂ€t gegenĂŒber ihren jeweiligen KolonialmĂ€chten: die USA 1776, Haiti 1804 und die meisten lateinamerikanischen LĂ€nder zwischen 1809 und 1825. Dennoch erreichte die Aufteilung der Erde unter den europĂ€ischen MĂ€chten im 19. und 20. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Die Zeit des SpĂ€tkolonialismus war von neuen geopolitischen Akteuren geprĂ€gt, darunter auch ehemalige Kolonien selbst. Am Wettlauf um die koloniale Aufteilung Afrikas waren schlieĂlich auch Belgien, Italien und Deutschland beteiligt; in Asien suchte vor allem Russland zu expandieren; und an der Wende zum 20. Jahrhundert kamen die USA und Japan als KolonialmĂ€chte hinzu. Im Zeitalter des Imperialismus, fĂŒr das der Kolonialismus prĂ€gend war, stellten wirtschaftliche Gewinnerwartungen, die Sicherung kĂŒnftiger Rohstoffbasen aber auch MachtrivalitĂ€ten und Prestigefragen wichtige Motive fĂŒr den Erwerb auĂereuropĂ€ischer Besitzungen dar. Erst der Zweite Weltkrieg (1945) und die GrĂŒndung der Vereinten Nationen als Organisation gleichberechtigter und gleichwertiger Staaten leiteten die allmĂ€hliche Entkolonialisierung ein. Die Dekolonisation Afrikas etwa erfolgte gröĂtenteils zwischen 1960 und 1975. Wegen neuer oder weiterhin bestehender AbhĂ€ngigkeiten und bis heute anhaltender imperialistischer Bestrebungen spricht man fĂŒr die ausgehende und die Nach-Kolonialzeit aber auch von postkolonialen und neokolonialen VerhĂ€ltnissen.
Kolonialismus ist begrifflich und der Bedeutung nach eng mit der Kolonisation durch Siedler verbunden. Beispiele dafĂŒr aus frĂŒheren Zeiten sind u. a. die antike griechische Kolonisation im Mittelmeerraum oder die mittelalterliche deutsche Ostkolonisation. Der neuzeitliche, europĂ€ische Kolonialismus dagegen nahm die unterschiedlichsten Formen, AusmaĂe und Wirkungsweisen an. Sowohl in den politischen Zentren der KolonialmĂ€chte als auch in der Peripherie, d. h. in ihren Kolonien, zeigte sich ein breites Spektrum hinsichtlich der Organisation und MachtausĂŒbung sowie der Beteiligung der Kolonisierten am Herrschaftsapparat und an der Repression der Kolonialvölker.
Typen und Organisationsformen kolonialer Herrschaft
Von ĂŒbereinstimmenden Kernmerkmalen wie Ăber- und Unterordnung zwischen Kolonisten und Kolonisierten oder den ungleichen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen KolonialmĂ€chten und Kolonien abgesehen, sind die historischen Erscheinungsformen des neuzeitlichen Kolonialismus Ă€uĂerst vielfĂ€ltig. So stellen auch die im Folgenden aufgefĂŒhrten Typen kolonialer Herrschaftsregime und Wirtschaftsorganisation lediglich gemeinsame Nenner fĂŒr im Einzelfall noch spezifischer gelagerte Ausformungen dar. Je nach Entstehungszusammenhang, Struktur und Ausdehnung der diversen historischen Sonderkonstellationen wird in der Literatur unterschieden zwischen Beherrschungskolonien, Siedlungskolonien, Integrationskolonien und StĂŒtzpunktkolonien.

Der Beherrschungskolonie lag zumeist eine militÀrische Eroberung nach vorheriger Kontaktaufnahme und Vororientierung zugrunde. Nicht Siedler, sondern aus dem Mutterland entsandte Kolonialbeamte bildeten dabei den Herrschaftsapparat, der die wirtschaftliche Ausbeutung der Kolonie ermöglichte. Die Verwaltungsbehörden in der Peripherie wurden von Kolonialbehörden in der Metropole beaufsichtigt. Von diesem Typ waren z. B. Indien als britische Kolonie, Togo als deutsche, Taiwan als japanische sowie die Philippinen als Kolonie der USA.[3]
Siedlungskolonien entstanden hauptsĂ€chlich infolge massenhafter Individualmigration, deren TrĂ€ger ihre Heimatgebiete ohne RĂŒckkehrabsicht verlieĂen, oft aus wirtschaftlichen Motiven oder Nöten.[4] Die Siedlungskolonisten vertrieben dabei entweder die ansĂ€ssigen Bevölkerungsgruppen oder unterwarfen sie sich und nutzten sie als ArbeitskrĂ€fte. Ihre mitgebrachte Kultur behielten die Siedler bei und ĂŒbernahmen alsbald in Selbstregierung die politische Herrschaft in ihrem Siedlungsraum. Dabei unterschieden sich die Bedingungen wirtschaftlicher MachtausĂŒbung und RessourcenerschlieĂung beim Siedlungskolonialismus teils beachtlich. WĂ€hrend es bei den Neuenglandkolonien, bei Kanada, Australien, Neuseeland, Argentinien und Chile zur VerdrĂ€ngung der als unnötig und unbrauchbar angesehenen Urbevölkerung kam, blieben Kolonien in Afrika abhĂ€ngig von einheimischen ArbeitskrĂ€ften, so in Algerien oder SĂŒdafrika. In karibischen Kolonien hingegen, darunter Jamaika und Kuba, wurden nach Ausrottung der angestammten Bevölkerung landfremde Arbeitssklaven importiert.[5]
Integrationskolonien vereinten Elemente von Beherrschungs- und Siedlungskolonien. Die SchlĂŒsselstellungen der Verwaltung besetzten mutterlĂ€ndische Kolonialbeamte, die sich auf eine mit politischen Mitwirkungsrechten operierende, durch Nachzug und Nachkommenschaft bedeutend anwachsende Siedlerschicht stĂŒtzten, so die Kreolen in den spanischen Kolonien SĂŒdamerikas. Ihre Bewohner hatten formal die gleichen Rechte wie die Einwohner des Mutterlandes und genossen eine weitgehende lokale Autonomie. Man konnte die Kolonialherrschaft hier ökonomisch auf bereits existierende leistungs- und besteuerungsfĂ€hige Ackerbausysteme grĂŒnden.[6]
StĂŒtzpunktkolonien waren zunĂ€chst mit militĂ€rischen Mitteln geschaffene und geschĂŒtzte HandelsstĂŒtzpunkte, die nicht auf groĂrĂ€umige Binnenkolonisation, sondern auf kommerzielle ErschlieĂung des jeweiligen Hinterlandes zielten. Wo solche StĂŒtzpunktkolonien zum Zweck der Vernetzung planmĂ€Ăig angelegt wurden, dienten sie der Sicherung einer Handelshegemonie der jeweiligen MutterlĂ€nder. Beispiele dafĂŒr waren die niederlĂ€ndischen und portugiesischen StĂŒtzpunkte in Afrika und Asien. Die weltpolitischen Ambitionen der seinerzeit fĂŒhrenden Seemacht GroĂbritannien hatten seit dem 18. Jahrhundert die Anlage von miteinander vernetzten StĂŒtzpunkten zur Folge. Dabei ging es nicht mehr nur um den Schutz von Handelsinteressen; das Netz der britischen Kolonien erlangte vielmehr nun ein globalstrategisches Eigengewicht. Dabei kamen zu den FlottenstĂŒtzpunkten von Gibraltar ĂŒber Sues bis Kapstadt bedeutsame âHafenkolonienâ wie Singapur und Hongkong. Als einzig modernisierungsfĂ€higer Kolonietypus hat sich auf lĂ€ngere Sicht der MilitĂ€rstĂŒtzpunkt erwiesen, der ĂŒber die Ăra der Kanonenboote hinaus in die der taktischen Luftwaffe weist.[7]
Wirtschaftliche und soziale Motive und Merkmale
Bis zum 11. Jahrhundert beherrschten Byzantiner und Sarazenen das Mittelmeer. Die BekĂ€mpfung der Sarazenengefahr, die ausgiebig SeerĂ€uberei betrieben, durch Pisa und Genua, beendete deren Vorherrschaft. SpĂ€ter ĂŒbten sich die Italiener selber in SeerĂ€uberei, besonders an den KĂŒsten Kleinasiens. Es wurden hĂ€ufig Kapergesellschaften zur Finanzierung solcher Unternehmungen gegrĂŒndet und oft konnte gar nicht zwischen Handelsmissionen und Piraterie getrennt werden. Auch fĂŒr die Bewohner Andalusiens bildete die Kaperei maurischer Schiffe und die Landung an afrikanischen KĂŒsten, bei denen man raubte und Gefangene zu Sklaven machte, ein eintrĂ€gliches GeschĂ€ft. Durch die ZurĂŒckdrĂ€ngung arabisch-syrischer HĂ€ndler im Rahmen der KreuzzĂŒge konnten nun auch die italienischen Stadtstaaten mit der Levante und dem Orient unmittelbar Handel treiben. Besonders das europĂ€ische Bevölkerungswachstum seit etwa 1000 (Höchststand um 1300) kurbelte diesen Fernhandel an.
Die Krise des 14. Jahrhunderts mit Pest und Stadtflucht betraf auch den Adel. Dieser hatte sich, infolge des allmĂ€hlichen Niedergangs der feudalen Strukturen, auf LuxusgĂŒter als Zeichen standesgemĂ€Ăer LebensfĂŒhrung zum Statuserhalt konzentriert. Durch die anarchischen ZustĂ€nde im Rahmen der Reconquista konnten sich die Adligen besonders in Kastilien vom spanischen König groĂe Landschenkungen sichern. Auch die regelmĂ€Ăigen EinfĂ€lle ins (noch) verbliebene Maurenland der iberischen Halbinsel waren zu wichtigen Einnahmequellen fĂŒr diesen geworden. Der Adel beteiligte sich zunehmend auch an wirtschaftlichen Unternehmungen wie dem Thunfischhandel (der Ă€hnlich wichtig fĂŒr die ErnĂ€hrung und den Handel war wie die Salzheringe im Norden Europas) und baute dazu eigene Flotten auf. An der europĂ€ischen Entdeckung der GoldkĂŒste Guineas waren daher auch Schiffe des Adels von Anfang an beteiligt. Und auch die Besiedlung von Inseln im Atlantik wurde von groĂen Vasallen des spanischen Königs begonnen; erst spĂ€ter folgte die Krone selbst.
Der Zugang zu den in ganz Europa begehrten LuxusgĂŒtern des Orients (Teppiche, GewĂŒrze, Farbstoffe u. a.) konnte nur ĂŒber arabische ZwischenhĂ€ndler erfolgen. So kontrollierte Ăgypten den Handel mit arabischen und indischen GĂŒtern. Zwar waren europĂ€ische HĂ€ndler willkommen, aber die Weiterreise fĂŒr Fremde ĂŒber Kairo hinaus war verboten. Die sogenannte âlateinischeâ HandelsstraĂe, die diese âmuslimische Blockadeâ umging, war seit dem Ende des 14. Jahrhunderts versperrt: Nach dem Zusammenbruch des riesigen von Dschingis-Khan begrĂŒndeten Mongolischen Reiches, insbesondere durch die Eroberungen Timur Lenks und die nationale Revolution der Ming-Dynastie in China, war der âMongolenwegâ fĂŒr italienische Kaufmannskarawanen verschlossen. Das Vordringen der Osmanen im 15. Jahrhundert erschwerte den Asienhandel der Italiener zusĂ€tzlich. Der Orient war fĂŒr Europa damit verriegelt.
Die Ausgangslage der europĂ€ischen ĂŒberseeischen Expansion, die das Zeitalter des Kolonialismus einlĂ€utete, war also mitbestimmt von dem Bestreben, alternative Handelswege zu den von den osmanischen Herrschern kontrollierten und gegen den Zugriff der EuropĂ€er behaupteten Fernhandelsnetzen (Indienhandel) aufzutun. Bartolomeu Dias eröffnete mit der Umsegelung des Kaps der Guten Hoffnung 1488 den Weg in den Indischen Ozean, was Vasco da Gama ermöglichte, 1498 Indien per Schiff zu erreichen. Von ihrem indischen StĂŒtzpunkt Goa aus gelang es den Portugiesen 1509 Malakka zu erreichen und unter Afonso de Albuquerque 1511 zu erobern. Die AtlantikĂŒberquerung durch Kolumbus 1492 fĂŒhrte zum Beginn der europĂ€ischen ErschlieĂung, Eroberung und Besiedlung Amerikas.

Die Kapitalbeschaffung fĂŒr die kostspieligen Entdeckungsfahrten war durch Fortschritte im Geld- und Kreditwesen leichter geworden. Die Entstehung der ersten Banken in norditalienischen Stadtstaaten vereinfachte die ZusammenfĂŒhrung gröĂerer Geldmengen fĂŒr die teuren ĂŒberseeischen Unternehmungen. Da die Gewinnaussichten sehr vage waren, ĂŒbernahm hĂ€ufig der Staat die Kosten der Seeexpeditionen, um das hohe Risiko zu mindern. Die privaten Unternehmen beteiligten sich meist nur an der Befrachtung der Schiffe mit Lebensmitteln und Tauschwaren und erhielten dafĂŒr einen festgelegten Teil des Gewinns aus den Fahrten. Möglich wurden die ĂŒberseeischen Entdeckungsfahrten aber nicht zuletzt durch die Entwicklung des neuen Schiffstyps der Karavelle, der sich u. a. durch verbesserte ManövrierfĂ€higkeit unter wechselnden WindverhĂ€ltnissen auszeichnete.
Der ErschlieĂung der westafrikanischen KĂŒste durch die Portugiesen folgten Importe von Sklaven und Gold nach Europa. Das Herrscherhaus, das zu einem FĂŒnftel an den wirtschaftlichen ErtrĂ€gen dieser Art beteiligt war, blieb seinerseits an weiterer Expansion interessiert. Worum es ging, zeigen Bezeichnungen wie âElfenbeinkĂŒsteâ, âGoldkĂŒsteâ oder âSklavenkĂŒsteâ.[8]
Gold und Silber
Den afrikanischen Goldhandel kontrollierten muslimische HĂ€ndler, die das Gold per Karawane zu den KĂŒsten Nordafrikas brachten und so auch die europĂ€ische Nachfrage bedienten. 1456 stellten die Portugiesen eine erste Handelsverbindung zu den afrikanischen Goldzonen her. Ab 1475 wurde Gold dann in groĂen Mengen per Schiff ĂŒber Guinea im Tauschhandel mit Subsahara-Afrika, ohne Umweg ĂŒber muslimische HĂ€ndler, nach Portugal verbracht. Wegen des teuren Ankaufs von orientalischen Luxusartikeln und kostspieliger europĂ€ischer Kriege kam es dennoch vorerst auch weiterhin zu einem Nettogoldabfluss aus Europa.
Den Goldreichtum suchte auch Kolumbus bei seiner Entdeckungsfahrt in das karibische Amerika als besonderes Merkmal herauszustellen. Zum vermeintlichen Eldorado wurden die von den Spaniern eroberten Gebiete in jenem Goldrausch, der sich einstellte, nachdem Pizarro dem Inka-Herrscher Atahualpa ĂŒber 13.000 Pfund Gold und 26.000 Pfund Silber abgepresst hatte. Die Silbervorkommen in Bolivien und Mexiko, die noch vor 1550 entdeckt und alsbald nach Europa verschifft wurden, fĂŒhrten dazu, dass die Preise in ganz Europa noch im 16. Jahrhundert um 400 Prozent anstiegen.[9]
Sklavenhandel

Indem sich seit dem hohen Mittelalter die Vorstellung durchsetzte, dass Christen nicht zu Sklaven gemacht werden dĂŒrften, wurden Sklaven im Zuge der fortschreitenden Christianisierung zur knappen âWareâ in Europa. Man verlegte sich ab dem 13. Jahrhundert verstĂ€rkt auf den Sklavenhandel mit der Levante. ZunĂ€chst lieferten die muslimischen HĂ€ndler diese vor allem von der Krim, ab dem 15. Jahrhundert besonders aus dem Balkan, wo die Osmanen Christen als Kriegsgefangene verschleppten und an europĂ€ische, v. a. italienische HĂ€ndler verkauften. Katalanische SklavenhĂ€ndler verschleppten hingegen ihre Opfer meist aus Kleinasien. Die Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Osmanen fĂŒhrte dann aber zum RĂŒckgang der Sklavenlieferungen aus der Levante und hatte Preissteigerungen in Italien zur Folge. Europa orientierte sich dann um auf Sklaven aus Schwarzafrika, die muslimische Handelskarawanen an die nordafrikanische KĂŒste brachten.
Auf den Karibik-Inseln wurde Zuckerrohranbau zum Dreh- und Angelpunkt der Kolonialherrschaft. DafĂŒr standen hier nach Auslöschung nahezu der gesamten indigenen Bevölkerung weite FlĂ€chen zur VerfĂŒgung; als ArbeitskrĂ€fte wurden nun in groĂem MaĂstab afrikanische Sklaven âimportiertâ. Fang und Transport organisierten EuropĂ€er, Afrikaner und Araber in Kooperation. Allein bei der Schiffspassage unter unwĂŒrdigen Bedingungen ĂŒber den Atlantik lag die Sterblichkeitsrate zwischen 25 und 40 Prozent. Der mit drakonischen Strafen erzwungene Arbeitsalltag in Bergwerken wie auf Plantagen lieĂ nur wenige Sklaven Ă€lter als 35 Jahre werden. Im 17. und 18. Jahrhundert florierte der Dreieckshandel: EuropĂ€ische Konsumprodukte oft minderer QualitĂ€t wurden in Afrika gegen Sklaven eingetauscht; diese in Ketten ĂŒber den Atlantik verfrachtet, meist in die Karibik, von wo die Schiffe dann beladen mit Kolonialwaren wie Rohrzucker, Rum, Indigo u. a. m. nach Europa zurĂŒckkehrten.[10] Nach neueren Forschungen fuhren die Schiffe durchaus nicht im Dreieck, zumal Sklavenschiffe nicht fĂŒr den Transport anderer Waren geeignet waren. Vielmehr pendelten die meisten Schiffe zwischen Europa, Westafrika und der Karibik.[11]
Koloniale Ausbeutung und Kosten-Nutzen-Relationen

Wie Spanier und Portugiesen suchten auch alle spĂ€teren KolonialmĂ€chte â so auch bei der Aufteilung Afrikas â wirtschaftlichen Nutzen aus ihren kolonialen Besitzungen zu ziehen. Eine rationale Kosten-Nutzen-AbwĂ€gung ging dem jedoch nicht voraus. âVielmehr setzte nach dem Erwerb neuer Gebiete hĂ€ufig Ratlosigkeit darĂŒber ein, welches wirtschaftliche Potential sie besaĂen, wie man sie verwalten sollte und welchen Nutzen sie dem Mutterland bringen könnten.â[12] Der Eroberung folgten zumeist drei bis vier Jahrzehnte der Raubwirtschaft. Tauschhandel und Raubbau an den Ressourcen dominierten; Investitionen in die Infrastruktur wurden kaum vorgenommen.[13]
Als stÀrkstes wirtschaftliches Bindeglied innerhalb der Kolonialimperien erwies sich der WÀhrungsverbund. Frankreich ging dabei besonders konsequent vor und schuf damit ein monetÀr einheitliches Kolonialreich, das in Afrika zur Folge hatte, dass die frankophonen Staaten auch nach ihrer UnabhÀngigkeit noch die engen WÀhrungsbeziehungen zu Frankreich aufrechterhielten.[14]
WĂ€hrend die eigene Kosten-Nutzen-Bilanz der KolonialmĂ€chte im Hinblick auf ihre Einflussgebiete teils zwiespĂ€ltig und teils negativ ausfallen konnte[15], waren die Kolonisierten hauptsĂ€chlich der AusplĂŒnderung preisgegeben. So blieben die Kolonien und Halbkolonien der europĂ€ischen MĂ€chte in Asien und Afrika wĂ€hrend der Jahrzehnte intensiver Wirtschaftsbeziehungen zu ihren MutterlĂ€ndern ebenso wie die Halbkolonien der USA in Lateinamerika arm und rĂŒckstĂ€ndig, wĂ€hrend in Europa und Nordamerika der gesellschaftliche Wohlstand rasch zunahm. Die französischen Kapitalanlagen im Ausland gingen 1914 zu annĂ€hernd einem Viertel nach Russland, hingegen nur zu knapp 9 Prozent in die französischen Kolonien. Deutschlands Auslandsinvestitionen vor dem Ersten Weltkrieg gingen sogar nur zu 2 Prozent in die kolonialen Schutzgebiete.[16]
Die vergleichsweise spĂ€te Kolonialmacht Japan war die einzige, die in ihrem Einflussbereich planmĂ€Ăig eine industrielle Kolonialwirtschaft aufbaute, etwa Kohle, Eisen und Stahl in Korea und der Mandschurei oder Baumwollverarbeitung in Shanghai und Nordchina. Es galt, die Rohstoffarmut der japanischen Inseln zu kompensieren und einen arbeitsteiligen asiatischen WirtschaftsgroĂraum unter japanischer Kontrolle zu etablieren. Es handelte sich laut Osterhammel um das repressivste Kolonialregime der neueren Geschichte; gleichwohl hinterlieĂ es wichtige Grundlagen fĂŒr die weitere industrielle Entwicklung in Korea, Taiwan und Teilen von China.[17]
Vom Kolonialismus profitierten auch Staaten, die keine KolonialmĂ€chte waren. Beispielsweise hat die Schweiz nie eigene Kolonien besessen. Schweizer Forscher, Missionare und HĂ€ndler waren jedoch dank des NeutralitĂ€tsstatus und der guten Vernetzung der Schweizer Oberschicht bei fast allen Kolonialherren willkommen.[18] Schweizer Söldner dienten im Kongo-Freistaat. Wissenschaftler machten mittels kolonialer Expeditionen steile Karrieren. Sie schickten enorme Mengen an gefundenen und geraubten StĂŒcken in die Schweiz, die zu Grundstöcken ethnologischer und naturwissenschaftlicher Sammlungen mehrerer Museen wurden.[19] Einige Familien zum Beispiel in Neuenburg wurden durch Sklavenhandel vermögend.[20] Afrikanische Kinder und Jugendliche ohne Namen arbeiteten in der Schweiz als Liftboys. Aus der Kolonialware Kakao wurde als Schweizer Schokolade ein Kassenschlager.[21] (âSchweizer Kolonialismus)
Ideologisch-programmatische Aspekte kolonialer Regime
Die Kolonialregime europĂ€ischer MĂ€chte seit dem 16. Jahrhundert bedurften der Rechtfertigung und der Vereinbarkeit vor allem mit der christlichen Religion, die die kolonisierenden Eroberer mit ihren europĂ€ischen Entsendemetropolen verband. Die aus dem Mittelalter ĂŒberkommene Lehre vom âgerechten Kriegâ gegen Nicht-Christen konnte dafĂŒr die Grundlage bilden, als Kritik gegen die spanischen Eroberungen im mittel- und sĂŒdamerikanischen Raum aufkam, die sich auf das Gewaltverbot des Neuen Testaments berief.[22] Mit der pĂ€pstlichen Bulle Inter caetera waren den Spaniern 1493 die Rechte an neuen LĂ€ndern in Amerika zugebilligt worden, denen sie den katholischen Glauben bringen sollten.
In der FrĂŒhen Neuzeit war die Vorstellung der eigenen kulturellen Ăberlegenheit von EuropĂ€ern gegenĂŒber anderen Kulturen wie der chinesischen, japanischen, indischen oder muslimischen noch wenig ausgeprĂ€gt[23], wenngleich die europĂ€ischen Kolonisatoren in Amerika auch andere Akzente und EindrĂŒcke ĂŒbermittelten, als unter dem Zugriff von Konquistadorentrupps ganze GroĂreiche auseinanderbrachen: âDie EuropĂ€er mit ihrer weiĂen Haut, ihren Pferden und Flinten erschienen als Götter. Sie begannen sich selbst als Ăbermenschen zu fĂŒhlen.â[24]
Ein durchgreifendes europĂ€isches Sendungsbewusstsein gegenĂŒber den anderen etablierten KulturrĂ€umen der Welt setzte sich laut Osterhammel aber erst in der Ăra der transatlantischen Revolutionen im spĂ€ten 18. Jahrhundert durch, als âder Westenâ ein ganz neues Zeitalter der Freiheit und Gleichheit einzulĂ€uten sich anschickte und sich dies mit der wirtschaftlichen Dynamik der in Gang kommenden industriellen Revolution verband, die neben Europa auch Nordamerika erfasste.[25] Die Grundelemente kolonialistischen Denkens âin der reifen SpĂ€tformâ benennt Osterhammel wie folgt: 1. die Vorstellung von unversöhnlicher Fremdheit bzw. âAndersartigkeitâ in Verbindung mit einem VerhĂ€ltnis der Ăber- und Unterlegenheit; 2. den Sendungsglauben in Verbindung mit der Vormundschaftspflicht; 3. die Utopie der politikfreien kolonialen Verwaltung.

Aus der Vorstellung von der anthropologischen âAndersartigkeitâ der Kolonisierten, ihrer anderen körperlichen und geistigen Veranlagung, wurde ihre UnfĂ€higkeit zu Ă€hnlichen Taten und Werken gefolgert, wie sie das neuzeitliche Europa hervorgebracht habe.[26] Die vorausgesetzte Unterschiedlichkeit wurde nach Bedarf fĂŒr diverse Felder geltend gemacht: u. a. als âheidnische Verworfenheitâ, als technologische Minderkompetenz in der Naturbeherrschung, als (tropen-) klimatisch geschwĂ€chte menschliche Konstitution, schlieĂlich noch als rassisch bedingte Minderwertigkeit. Letztere wurde von EuropĂ€ern und Amerikanern zumindest wĂ€hrend der drei bis vier letzten Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg weitgehend einhellig fĂŒr richtig gehalten.[27]
Die unterstellte anthropologische Differenz diente zur BegrĂŒndung einer Vormundschaftspflicht der EuropĂ€er bzw. âWeiĂenâ als der höherstehenden Zivilisation bzw. Rasse (âthe white manâs burdenâ â âdie BĂŒrde des weiĂen Mannesâ). Nicht Ausbeutung, sondern wechselseitige ErgĂ€nzung beider Seiten wurde propagiert. Das schloss die seit dem spĂ€ten 19. Jahrhundert verbreitete Auffassung ein, der âentwickelteâ Westen habe nicht nur das Recht, sondern stehe in der Pflicht, die natĂŒrlichen Ressourcen der tropischen LĂ€nder zu erschlieĂen; denn da die Einheimischen dazu nicht in der Lage seien, wĂŒrden EuropĂ€er und Amerikaner, indem sie das ĂŒbernĂ€hmen, nicht nur sich, sondern der ganzen Menschheit einen Dienst erweisen.[28] Eine höherstehende Minderheit stehe in der Verantwortung gegenĂŒber der rĂŒckstĂ€ndigen Mehrheit der Menschen. âKolonialherrschaft wurde als Geschenk und Gnadenakt der Zivilisation verherrlicht, als eine Art von humanitĂ€rer Dauerintervention. Die Last der Aufgabe sei dermaĂen gewaltig, daĂ an eine schnelle ErfĂŒllung nicht zu denken sei.â[29]
Da die EuropĂ€er die in den Kolonialgebieten vorgefundenen VerhĂ€ltnisse als chaotisch ansahen, betrachteten sie ihr Handeln vor Ort nicht als WillkĂŒrherrschaft, sondern als Ordnung schaffend. Koloniale Verwaltung blieb in dieser Perspektive allerdings immer anfĂ€llig fĂŒr die unterdrĂŒckte âAnarchieâ und âTriebhaftigkeitâ unter den Kolonisierten. Demnach durfte man sich keine SchwĂ€che erlauben, da sonst Unruhestifter ermutigt wĂŒrden, gar ein âNegeraufstandâ losbrechen könnte. Westliche Politikformen eigneten sich aus dieser Sicht nicht fĂŒr Kolonialgebiete: âNichts sollte die Ruhe effizienten Administrierens stören.â[30]
Wo in den Kolonien militĂ€rische Macht ausgeĂŒbt wurde, sollte zugleich innerer Frieden herrschen, indem die einheimische Bevölkerung nach Art der âPax Britannicaâ entwaffnet wurde. Zu aktivieren suchte man die Kolonisierten hauptsĂ€chlich durch âErziehung zur Arbeitâ. Dies lieĂ sich fĂŒr NichteuropĂ€er jedoch oft nur als durchsichtige BemĂ€ntelung von AusbeutungsverhĂ€ltnissen an und hatte mit Qualifizierung zur SelbstĂ€ndigkeit nichts zu tun. Wann immer diese besagte Erziehung den kolonialen Obrigkeiten aussichtslos erschien, waren die Einheimischen beliebigen Formen willkĂŒrlicher Grausamkeit vielfach schutzlos ausgesetzt.[31] Ein extremes Beispiel dafĂŒr sind der Vernichtungsbefehl des Generalleutnants Lothar von Trotha gegen das Volk der Herero und das anschlieĂende Vorgehen deutscher Kolonialtruppen 1904 in Deutsch-SĂŒdwestafrika.
KolonialmĂ€chte und ihre âPeripherienâ

Entstehungsformen und AusprÀgungen kolonialer Herrschaft wiesen eine Vielzahl spezifischer Merkmale auf, die teils von den jeweiligen politischen VerhÀltnissen und sozioökonomischen Hauptinteressen der einzelnen Kolonialmacht abhingen und teils von den im kolonialen Herrschaftsgebiet angetroffenen Bedingungen. Kolonialismus ist deshalb nur in seiner ganzen historischen und geographischen Bandbreite angemessen zu erfassen.
Neuzeitliche Grundkonstellationen
Genua und Venedig
Intensive wirtschaftliche Beziehungen Genuas und Venedigs zum Byzantinischen Reich ermöglichten beiden oberitalienischen Stadtrepubliken Handelsmonopole auszubilden. Sie beherrschten dadurch im SpĂ€tmittelalter den gesamten Mittelmeerraum. Es war ihnen im Zuge der KreuzzĂŒge gelungen, Kolonien bzw. StĂŒtzpunkte in der ĂgĂ€is, auf der Peloponnes, am Schwarzen Meer und an der Levante zu erwerben. Die Konkurrenzsituation der beiden Stadtstaaten fĂŒhrte zu zahlreichen Seekriegen, bis es Venedig 1380 in der Schlacht von Chioggia schlieĂlich gelang, die endgĂŒltige Vorherrschaft im Mittelmeerraum zu erreichen. Mit dieser Niederlage schied Genua aber nicht vollstĂ€ndig aus dem Mittelmeerhandel aus, sondern konnte sogar einige seiner Kolonien bis ins 15. Jahrhundert hinein halten. Erst mit der Expansion des Osmanischen Reiches und der Entdeckung der Neuen Welt zu Beginn der Neuzeit verloren Genua und Venedig ihre Vormachtstellung im Handel an die neuen SeemĂ€chte Portugal und Spanien.[32]
Portugal und Spanien

Nachdem portugiesische Entdecker jenseits des Kaps der Guten Hoffnung den Seeweg nach Indien gefunden und StĂŒtzpunkte hauptsĂ€chlich fĂŒr den GewĂŒrzhandel (u. a. Pfeffer, Zimt, Muskat, GewĂŒrznelken) errichtet hatten, erweiterte das Herrscherhaus an der Wende zum 16. Jahrhundert den eigenen Titel: König von Portugal und der Algarve, Herr von Guinea und der Eroberung, der Schiffahrt und des Handels von Ăthiopien, Arabien, Persien und Indien.[33] In SĂŒdamerika konnte Portugal als mit Spanien rivalisierende Kolonialmacht aufgrund des Vertrags von Tordesillas (1494) nur in Brasilien FuĂ fassen. Als die portugiesische Königsdynastie 1580 ausstarb, fiel Portugal mitsamt dem Kolonialbesitz in Personalunion an den spanischen Habsburger Philipp II.
Spaniens Kolonialreich in Mittel- und SĂŒdamerika erstreckte sich auf drei unterschiedliche Arten von indigenen Gesellschaftstypen. Das waren die Hochkulturen der Azteken, Maya und Inka mit zentraler Organisation, zweitens dĂŒnn besiedelte und weniger gegliederte Herrschaftsbereiche sowie drittens Nomadenvölker. WĂ€hrend man bei den Hochkulturen nach Ausschaltung der hierarchischen Spitze die mittlere Schicht auf die Seite der Eroberer ziehen und an der Kolonialverwaltung beteiligen konnte, was durch das Vorhandensein kalendarischer Orientierung, eines StraĂennetzes und einer Schriftkultur erleichtert wurde, kam es im karibischen Raum zur Auslöschung der einheimischen Ethnien, fĂŒr die die eingeschleppten Krankheiten und die rĂŒcksichtslose Ausbeutung durch die Eroberer zur tödlichen Falle wurden. Hingegen konnten sich die in die fĂŒr die Spanier wenig attraktiven Siedlungsgebieten SĂŒdargentiniens, SĂŒdchiles, Nordmexikos und in den RegenwĂ€ldern beheimateten nomadischen Indianer im Kampf mit der Kolonialmacht behaupten.[34]
Die im pĂ€pstlichen Auftrag das Eroberungsgeschehen begleitende christlich-katholische Mission wurde insbesondere von den Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner betrieben. In ihren Reihen wurde teils drastische Kritik an den von den Konquistadoren gegenĂŒber den Einheimischen verĂŒbten Grausamkeiten laut. Die Anklageschriften eines BartolomĂ© de Las Casas verbanden das Ziel der Glaubensbekehrung der indigenen Bevölkerung mit dem Vorhalt der TodsĂŒnde gegen die eroberungswĂŒtigen Landsleute und mit Schutzforderungen fĂŒr eine menschenwĂŒrdige Existenz der zu Bekehrenden.[35]
Seit 1524 gab es am spanischen Hof neben dem Königlichen Rat einen Rat fĂŒr die ĂŒberseeischen Gebiete (Consejo de Indias), der fĂŒr die kolonialen Wirtschafts-, Finanz-, MilitĂ€r- und Kirchenangelegenheiten zustĂ€ndig war. ZunĂ€chst zwei Vizekönige standen der Verwaltung vor, einer fĂŒr Neuspanien in Mexiko-Stadt und einer fĂŒr Peru in Lima. Sie stammten in der Regel aus Spanien und kehrten nach durchschnittlich 6 bis 7 Jahren dahin auch wieder zurĂŒck, hatten folglich ein Interesse daran, dass sich ihr Posten wirtschaftlich oder im Sinne der eigenen Karriere rasch auszahlte. Formalrechtlich galten die Indianer unter spanischer Herrschaft â anders als unter der anderer KolonialmĂ€chte â als gleichberechtigte Untertanen der spanischen Krone. Der möglichen Wahrnehmung ihrer Interessen vor Gericht stand aber hĂ€ufig die Sprachbarriere entgegen.[36]
Niederlande

Nach dem erfolgreichen UnabhĂ€ngigkeitskampf der NiederlĂ€nder gegen Spanien stiegen diese zur bedeutenden Handels- und Seemacht auf und etablierten sich â vor allem auf Kosten Portugals â als neue Kolonialmacht mit StĂŒtzpunkten u. a. in SĂŒdafrika, Indien und SĂŒdostasien. TrĂ€ger der niederlĂ€ndischen Kolonialherrschaft waren die aus mehreren Einzelunternehmen 1602 zusammengeschlossene Vereinigte NiederlĂ€ndische Ostindien-Kompanie (VOC) sowie ab 1621 die Westindische Kompanie. Diese wurden durch staatliche Freibriefe mit weitreichenden Rechten ausgestattet, was auch das Unterhalten einer eigenen Armee einschloss. Zur Finanzierung wurden 1606 zum ersten Mal von einer Gesellschaft Aktien ausgegeben und die Anteilseigner als Teilhaber aufgenommen. Die Dividende betrug durchschnittlich 18 % pro Jahr.[37] Besonders profitable Zweige bildeten die Beschaffung von GewĂŒrzen und anderen Luxusartikeln.
Neben Sumatra und Borneo waren wegen des Zugangs zu MuskatnĂŒssen auch die Molukken fĂŒr die NiederlĂ€nder besonders lukrativ. Als man dort auf dem Banda-Archipel mit dem Abschluss einseitig vorteilhafter VertrĂ€ge scheiterte, verĂŒbte der militĂ€rische Arm der VOC einen Massenmord unter den Einwohnern. Die danach entvölkerten Inseln ĂŒbernahmen niederlĂ€ndische Plantagenbetreiber, die importierte Sklaven beschĂ€ftigten.[38]
Neben dem bereits 1621 gegrĂŒndeten VOC-StĂŒtzpunkt Batavia verschaffte sich die Vereinigte Ostindien-Kompanie die Herrschaft ĂŒber weitere wichtige HafenstĂ€dte und UmschlagplĂ€tze wie Malakka (1641), Makassar (1669) und Banten (1682). Dieser âStĂŒtzpunktkolonialismusâ wurde im 18. Jahrhundert weiter ausgebaut: Weniger die territoriale Kontrolle als das funktionierende Netzwerk und die gute Einbindung in das regionale System waren dafĂŒr kennzeichnend. Unter Ausnutzung der politischen Fraktionierung auf Java etablierte die VOC bis zum Ende des 18. Jahrhunderts dort aber doch eine militĂ€risch gestĂŒtzte indirekte Territorialherrschaft.[39]
Mit dem frĂŒhen niederlĂ€ndischen Kolonialismus in SĂŒdostasien ging auf Herrschaftsebene die Ausbildung einer Mischgesellschaft und -kultur einher, in der niederlĂ€ndische Vorstellungen zwar dominierten, aber von Elementen indonesischer Kultur durchdrungen wurden. Denn die niederlĂ€ndischen MĂ€nner kamen zumeist allein in die asiatischen Kolonialgebiete und gingen dort sehr oft Verbindungen mit einheimischen Frauen ein, sodass diese sowie die gemeinsamen Kinder Teil der FĂŒhrungsschicht wurden. Diese Mischkultur erlangte zunehmend Einfluss in der Gesamtgesellschaft und fĂŒhrte zur Ausbildung eigener Baustile und Kunstformen, einer eigenen Musik und Literatur.[40]
England â GroĂbritannien â British Empire
Kurz vor den NiederlĂ€ndern hatten im Jahr 1600 die EnglĂ€nder bereits eine Ostindien-Kompanie (BEIC) gegrĂŒndet, die den Fernhandel auf kolonialer Basis ankurbeln sollte. Im 17. Jahrhundert, das zur goldenen Zeit der Niederlande werden sollte, behielten diese aber doch die Oberhand, auch weil England es mit Revolution und BĂŒrgerkrieg zu tun hatte und in den Seekriegen nicht obsiegte. Mit den Navigationsakten 1651, dem Ausgang der Glorious Revolution 1689 und der Schaffung des Königreichs GroĂbritannien durch die Union Englands mit Schottland 1707 verschoben sich aber die KrĂ€ftegewichte fĂŒr das 18. Jahrhundert zugunsten der Briten.
Nachdem der niederlÀndische Statthalter Wilhelm von Oranien infolge der Glorious Revolution englischer König geworden war, kam es zu einer Aufteilung der EinflusssphÀren in Asien zwischen den beiderseitigen ostindischen Kompanien: WÀhrend die NiederlÀnder sich auf Indonesien konzentrierten, weiteten die Briten ihre Vorposten in Indien, wie z. B. Madras, Bombay und Kalkutta, zu einer dauerhaften Kolonialherrschaft aus.

Hatte der englische Ăberseehandel in Asien anfĂ€nglich auch auf GewĂŒrze und speziell auf Pfeffer gezielt, so verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf die Einfuhr von Baumwolle und Tee. FĂŒr den Transport nutzte die BEIC nicht eine eigene Handelsflotte, sondern angemietete Schiffe. Andererseits ĂŒbte sie die Kontrolle ĂŒber ihr indisches Herrschaftsgebiet auch militĂ€risch mit Hilfe einheimischer Truppen aus, der Sepoy, die von britischen Offizieren gefĂŒhrt wurden.[41] Bei der Einbeziehung zahlreicher indischer FĂŒrstentĂŒmer in die britische Kolonialherrschaft zeigte man sich flexibel, was die vertraglichen Einzelheiten betraf, die die BEIC vorwiegend zum eigenen Vorteil schloss. GroĂteils handelte es sich dabei um Formen indirekter Herrschaftsorganisation. Die enorme Ausdehnung des indischen Kolonialgebiets und notorischer Personalmangel auf britischer Seite hatten zur Folge, dass nur die Verwaltungsspitzen britisch besetzt waren, wĂ€hrend der GroĂteil der Verwaltungsaufgaben von indischen Angestellten erledigt wurde. Im entwickelten Stadium der britischen Kolonialherrschaft ĂŒber Indien wurde die Handelsgesellschaft in einen Arm der staatlichen Administration umgewandelt.[42]
Auch in der Karibik und in Nordamerika kam es bereits im Laufe des 17. Jahrhunderts zum Auf- und Ausbau zahlreicher britischer Kolonien. Auf den Karibik-Inseln St. Lucia, Barbados und Nevis praktizierte auch das britische Kolonialregime die Plantagenwirtschaft mit afrikanischen Sklaven. GĂ€nzlich anders lagen die VerhĂ€ltnisse in den Siedlungskolonien an der nordamerikanischen OstkĂŒste, wo unter anderem ein Neuengland entstand, hauptsĂ€chlich als Ort der Zuflucht und VerheiĂung fĂŒr Puritaner und Nichtanglikaner, die so dem Druck der englischen Staatskirche ausweichen konnten. Sie verschafften sich Landbesitz und breiteten sich nach Westen aus, indem sie die indianische Bevölkerung aus ihren Siedlungsgebieten verdrĂ€ngten. Die Kolonisten blieben aber Untertanen der englischen Krone, bis sie sich im Amerikanischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts von ihr befreiten.

Nicht nur religiöse Dissidenten und BedrĂ€ngte auf der Suche nach einer neuen wirtschaftlichen Existenz waren von England in die nordamerikanischen Kolonien gekommen, sondern auch zu Zwangsarbeit verurteilte StrĂ€flinge: Zwischen 1718 und 1775 wurden etwa 50.000 StrĂ€flinge allein auf die Tabakplantagen in Virginia und Maryland verbracht.[43] Mit der UnabhĂ€ngigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika entfiel dieser Verbringungsort. Als James Cook aber auf Forschungsreise 1770 an die OstkĂŒste Australiens gelangte und den Kontinent anschlieĂend fĂŒr die britische Krone in Besitz nahm, wurde ab 1788 dort eine StrĂ€flingskolonie errichtet. Australien und Neuseeland wurden im 19. Jahrhundert bevorzugte Ziele britischer Auswanderer.
Als in den 1920er Jahren die koloniale Welt ihr universalhistorisches Maximum erreichte,[44] entfiel der Löwenanteil auf das British Empire. Die vom Vereinigten Königreich beherrschten Gebiete umfassten im Jahr 1921 ein Gebiet von ĂŒber 37 Millionen kmÂČ, etwa ein Viertel der von Land bedeckten ErdoberflĂ€che. Die Gesamtbevölkerung betrug ca. 500 Millionen (rund ein Viertel der damaligen Weltbevölkerung).
Frankreich

Zu Wegbereitern des französischen Kolonialismus in Nordamerika wurden Jacques Cartier und Samuel de Champlain; letzterer grĂŒndete Neufrankreich. Dieses reichte auf dem Höhepunkt seiner Ausdehnung im Jahre 1712 von Neufundland zu den GroĂen Seen und von der Hudson-Bucht bis zum Golf von Mexiko. Auch einige karibische Inseln und Indien waren frĂŒhneuzeitliche Objekte französischer Kolonialpolitik. Damit bestand von Anbeginn ein KonkurrenzverhĂ€ltnis vor allem mit dem britischen Kolonialismus, ausgetragen in einer Reihe kriegerischer Auseinandersetzungen, den Franzosen- und Indianerkriegen. Im Pariser Frieden 1763 nach dem SiebenjĂ€hrigen Krieg musste Frankreich den GroĂteil seiner Kolonien an GroĂbritannien abtreten. Die Reste der kolonialen Besitzungen in Nordamerika wurden unter Napoleon Bonaparte 1803 an die USA verkauft.
Einen neuen Anlauf nahm die französische Kolonialpolitik ab 1830 vor allem in Afrika und nach Mitte des 19. Jahrhunderts in Französisch-Indochina. Damit wurde Frankreich nach GroĂbritannien zur weltweit zweitgröĂten Kolonialmacht. Dabei verfolgten die Franzosen mit RĂŒckgriff auf die Leitideen der Französischen Revolution eine zivilisatorische Mission im Sinne der Assimilation der Kolonisierten, besonders im Maghreb. Angesichts der im Zuge fortschreitender Eroberungen wĂ€hrend des 19. Jahrhunderts auf ĂŒber 25 Millionen anwachsenden kolonialen Bevölkerung in Afrika war es jedoch nur eine winzige Minderheit französischer Untertanen, die tatsĂ€chlich gleichberechtigt âemanzipiertâ wurden.[45] Und wĂ€hrend Algerien mit einem vergleichsweise hohen Bevölkerungsanteil französischer Kolonisten schlieĂlich administrativ nach dem Muster französischer DĂ©partements gegliedert wurde, begnĂŒgte man sich ansonsten damit, die Herrschaft ĂŒber ein System von HĂ€uptlingen zu organisieren, die sich den Kolonialherren als hinreichend gefĂŒgig und dafĂŒr geeignet darstellten.[46]
Das Gros der europĂ€ischen Siedler in Algerien wie auch in den französischen Protektoraten Tunesien und Marokko konzentrierte sich in den StĂ€dten, wobei Algier nach 1880 zu gut drei Vierteln von EuropĂ€ern bewohnt war und stĂ€dtebaulich groĂteils im Pariser Haussmann-Stil umgestaltet wurde. Gerade die lĂ€ndliche Agrarkolonisation der EuropĂ€er mit UnterstĂŒtzung der französischen Staatsmacht wirkte sich aber fĂŒr die muslimische Landbevölkerung fatal aus; denn durch Enteignungen unter allerlei VorwĂ€nden wurde sie auf kleinere LandflĂ€chen und schlechtere Böden verdrĂ€ngt.[47]
Deutschland und Ăsterreich

Unter den Landesherrschaften des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation verschaffte sich nennenswert allein Brandenburg-PreuĂen gegen Ende des 17. Jahrhunderts zu Handelszwecken, fĂŒr die eine Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie gegrĂŒndet wurde, kurzzeitig ĂŒberseeischen Kolonialbesitz im westafrikanischen GroĂ Friedrichsburg (1683â1717). Auch die österreichische Habsburgermonarchie entfaltete nur in verhĂ€ltnismĂ€Ăig geringem Umfang koloniale AktivitĂ€ten. Nachdem im Jahre 1771 Triest zum Freihafen erklĂ€rt worden war, grĂŒndete die regierende Erzherzogin Maria Theresia die Triestiner Ostindische Handelskompanie (1775â1785) unter dem Kommando des HollĂ€nders William Bolts. Die Schiffe der Handelskompanie erwarben 1777 einen Hafen im heutigen Mosambik (1781 an Portugal) und proklamierten 1778 vier Inseln der Nikobaren als österreichische Kolonie, die allerdings bereits 1785 an DĂ€nemark zurĂŒckfiel.
In Deutschland gab es in der Ăra zwischen 1848 und 1884 eine Form des privatwirtschaftlichen Kolonialismus, in welchem Unternehmer und Unternehmen eine zentrale Rolle spielten: Der Colonisations-Verein von 1849 in Hamburg war ein Beispiel fĂŒr einen âKolonialismus von untenâ, d. h. gestĂŒtzt auf Initiativen der Privatwirtschaft bzw. Zivilgesellschaft und nicht des Staates. Ein Zusammenschluss von profilierten Hamburger HĂ€ndlern und politisch engagierten Personen organisierte die Ăbersiedlung deutscher Auswanderer nach Brasilien mit dem Ziel des Aufbaus einer Kolonie. Mit dieser kolonialen Unternehmung sollte vor allem auch der Handel in und mit SĂŒdamerika und der Zugriff auf AnbauflĂ€chen gestĂ€rkt werden. Ein weiteres herausragendes Beispiel dafĂŒr, dass â trotz einer fehlenden staatliche Kolonialpolitik â von Deutschland eine Art âökonomischer Imperialismusâ ausging, ist in der kolonialen Geschichte Guatemalas zu finden. Deutsche Unternehmen kontrollierten zu einem erheblichen Teil den Kaffeemarkt und viele ökonomische AktivitĂ€ten in dessen Kontext. Der Produktionsprozess und auch die Handelsschifffahrt wurde von deutschen Banken und Produzenten finanziert und kontrolliert.[48]
Eine im Wesentlichen auf Ideen des Hamburger Kaufmanns Adolph Woermann basierende Denkschrift der Hamburger Handelskammer vom Juli 1883 wird als SchlĂŒsseldokument der deutschen KolonialreichsgrĂŒndung angesehen. Die Schrift ist erstens Nachweis der starken ökonomischen Interessen der Hamburger Kaufmannschaft in Westafrika. Zweitens dokumentiert sie eine âStrategie des imperialen Ausgreifensâ indem sie die Forderungen, etwa nach MeistbegĂŒnstigungsvertrĂ€gen bis hin zur kolonialen Annexionen, enthĂ€lt. Durch die Schrift der Unternehmer wurden Reichskanzler Otto von Bismarck GrĂŒnde fĂŒr seinen Kurswechsel hinsichtlich der kolonialen Frage geliefert.[49]

Seit GrĂŒndung des Deutschen Kaiserreichs wurden in der Ăffentlichkeit immer lauter Kolonien gefordert. 1882 grĂŒndete sich zum Beispiel ein Deutscher Kolonialverein mit dem Ziel, Werbung fĂŒr ein deutsches Kolonialreich zu machen. Reichskanzler Otto von Bismarck lehnte diese Ideen sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus sicherheitspolitischen ErwĂ€gungen ab.[50] Aus unterschiedlichen BeweggrĂŒnden[51] wurde im April 1884 das sogenannte âLĂŒderitzlandâ als Keimzelle des spĂ€teren Deutsch-SĂŒdwestafrika unter den âSchutzâ des Deutschen Reichs gestellt. Auch in Deutsch-Ostafrika, Kamerun und Togo sowie in Deutsch-Neuguinea wich die informelle Besitzergreifung nach kurzer Zeit einer formellen Kolonialherrschaft. In unzugĂ€nglichen Regionen wie Nordkamerun oder dem spĂ€teren Ruanda-Urundi wurden jedoch auch indirekte Herrschaftsformen praktiziert. Die territoriale Expansion war mit dem sogenannten Helgoland-Sansibar-Vertrag von 1890 weitgehend beendet. Bis 1914 folgten lediglich vereinzelte NeugrĂŒndungen und Gebietserweiterungen (Kiautschou, Mikronesien, Neukamerun, östliches Salaga-Gebiet, Deutsch-Samoa). Bis auf den MarinestĂŒtzpunkt Tsingtau waren diese eher von symbolischer Bedeutung. Mehrere groĂe AufstĂ€nde und Kolonialskandale sorgten jedoch auch in Deutschland fĂŒr Aufmerksamkeit und teils heftige Diskussionen.
Besonders der Aufstand der Herero und Nama in SĂŒdwestafrika (1904â1907) sowie der Maji-Maji-Aufstand (1905â1908) in Ostafrika kosteten abertausende Afrikaner das Leben. Die Politik unter StaatssekretĂ€r Bernhard Dernburg sollte dem eigenen Anspruch nach eine neue Form des deutschen Kolonialismus einleiten. So wurden nun Investitionen in die koloniale Infrastruktur vorgenommen, etwa in das Gesundheits-, das Nachrichten- und Verkehrswesen. Bedingt durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs und die anschlieĂende Abtretung der Kolonien kam diese Entwicklung jedoch lediglich ansatzweise zum Tragen.[52][53][54] Als Kolonialrevisionismus blieb der Kolonialismus auch in der Zwischenkriegszeit eine bedeutende Strömung der deutschen Politik. In der NS-Zeit erarbeitete das Kolonialpolitische Amt PlĂ€ne fĂŒr den Fall der RĂŒckgabe deutscher Kolonien. Seit dem Zweiten Weltkrieg hingegen ist der deutsche Kolonialismus in der Wissenschaft und den Medien weniger prĂ€sent.[55]
Russland

Die kolonialen Bestrebungen Russlands richteten sich vor allem auf Zentralasien; so wurde ab der GrĂŒndung des Moskauer Reiches und mit der Etablierung des Zarentums das russische Staatsgebiet ĂŒber Sibirien nach Osten hin ausgedehnt. Mitte des 19. Jahrhunderts reichte es sogar bis Alaska in Nordamerika. Dabei bestanden StĂŒtzpunkte sĂŒdwĂ€rts bis nach Kalifornien. Seit der Ăra Zar Peters I. verstand sich Russland als europĂ€ische GroĂmacht und begann sich auch in sĂŒdlicher Richtung zu engagieren. Dort stieĂ es auf die InteressensphĂ€ren GroĂbritanniens (Britisch-Indien) und des Osmanischen Reiches (Schwarzes Meer). Dies fĂŒhrte zum âGreat Gameâ mit GroĂbritannien um die Vorherrschaft in Zentralasien. In kriegerischen Auseinandersetzungen um Randgebiete des zerfallenden Osmanischen Reiches zerbrach die Heilige Allianz. Nach dem Krimkrieg musste Russland im Pariser Frieden von 1856 das Donaudelta und das sĂŒdliche Bessarabien an das FĂŒrstentum Moldau abtreten, sowie das Protektorat ĂŒber die DonaufĂŒrstentĂŒmer aufgeben, die russische Truppen 1853 besetzt hatten. AuĂerdem musste es sich zur Entmilitarisierung des Schwarzen Meeres und der Ă land-Inseln verpflichten. Im Russisch-Japanischen Krieg 1904/1905 versuchte Russland vergeblich, Japan die Vormachtstellung in der Mandschurei und in Korea abzunehmen. Seine Niederlage war einer der auslösenden Faktoren der Russischen Revolution von 1905.
Sowjetunion
Nach der Oktoberrevolution von 1917 zerbrach das russische Imperium im BĂŒrgerkrieg weitgehend und beschrĂ€nkte sich im Wesentlichen auf das groĂrussische Kerngebiet.[56] Polen (bzw. dessen seit den Teilungen Polens zu Russland gehörenden Ostgebiete), Finnland, die baltischen Staaten und kurzzeitig die Ukraine lösten sich in den Jahren 1918 und 1919 von Russland ab und wurden (wieder) unabhĂ€ngige Staaten. Russische Binnenkolonien wie z. B. Armenien, Aserbaidschan, Staaten des Baltikums, Kasachstan, Kirgisistan, Bessarabien, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan oder Belarus erlangten nach der Oktoberrevolution in der Regel den Status einer autonomen Republik. Hintergrund war die Aufnahme des Punktes âSelbstbestimmungsrecht der Völker bis zur Lostrennung und Bildung eines selbstĂ€ndigen Staatesâ in das Parteiprogramm der nun herrschenden Bolschewiki. Die vor-nationale Ordnung des Zarenreichs sollte durch eine proletarische nach-nationale Ordnung ersetzt werden, wobei die Phase des Nationalstaats ĂŒbersprungen werden sollte.
Dabei wurde das Selbstbestimmungsrecht der Völker bereits von Lenin als âtaktische Waffeâ im Sinne des bolschewistischen Machterhalts benutzt und durch Stalin, der bis 1923 das Volkskommissariat fĂŒr NationalitĂ€tenfragen leitete, ganz nach Bedarf gehandhabt. So wurde beispielsweise mit Hilfe russischen MilitĂ€rs 1918 die islamische Regierung im usbekischen Kokand ebenso beseitigt wie 1921 die UnabhĂ€ngigkeit des christlichen Georgiens.[57] Erst nach dem Zerfall der Sowjetunion erlangten viele der ehemaligen russischen Binnenkolonien sowie alle Nachfolgestaaten der Sowjetunion die staatliche UnabhĂ€ngigkeit.
SpÀtformen und Ende des Kolonialismus
Der Wettlauf um Afrika

Der um 1880 einsetzende Wettlauf der europĂ€ische KolonialmĂ€chte um Territorialbesitz in Afrika (engl. Scramble for Africa) gehört zu den fĂŒr das Zeitalter des Imperialismus charakteristischen Erscheinungsformen. Vor 1875 bestanden gröĂere europĂ€ische Herrschaftsgebiete nur nördlich der Sahara und in SĂŒdafrika. Ansonsten beschrĂ€nkte sich die europĂ€ische PrĂ€senz auf diesem Kontinent bis dahin im Wesentlichen auf kĂŒstennahe HandelsstĂŒtzpunkte. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 erweiterten die europĂ€ischen MĂ€chte ihren Kolonialbesitz um mehr als 23 Millionen kmÂČ. AuĂer Ăthiopien und Liberia gab es keine unabhĂ€ngigen Gebiete mehr in Afrika, stattdessen neben britischen und französischen Kolonien auch deutsche, portugiesische, spanische, italienische und belgische. Die Motivlage, die den Wettlauf um Afrika vorantrieb, ist mehrschichtig. Neben ökonomischen, geopolitischen und missionarischen Interessen, werden auch Nationalprestige, Forscherdrang und Abenteuerlust in unterschiedlicher Gewichtung zur ErklĂ€rung herangezogen.[58] Die sich ausbreitende Ideologie der rassischen Ăberlegenheit wurde mit der heute obsoleten Hamitentheorie untermauert, die den beherrschten Völkern die FĂ€higkeit absprach, sich selbst zu verwalten.
Nachdem 1881 die Franzosen in Tunesien ein Protektorat errichtet hatten und es zur britischen Besetzung Ăgyptens im Zuge der Niederschlagung des Urabi-Aufstandes 1882 gekommen war, wurde der Kongo zum Objekt kolonialer Begehrlichkeiten, die neben beiden etablierten KolonialmĂ€chten auch besonders der belgische König Leopold II. hegte. Als die AktivitĂ€ten Frankreichs, Belgiens und Portugals im MĂŒndungsbereich des Kongo die Gefahr eines Krieges heraufbeschworen, erbot sich Reichskanzler Otto von Bismarck auf der Kongokonferenz in Berlin (1884/85) zu vermitteln. Denn auch im Deutschen Kaiserreich waren unterdessen koloniale Interessen (s. o.) an und in Afrika aufgekommen. Die Berliner Konferenz garantierte Handelsfreiheit im Kongogebiet fĂŒr alle 14 SignatarmĂ€chte und legte allgemein fest, dass nur diejenige Macht das Recht auf Erwerb einer Kolonie haben sollte, die sie auch tatsĂ€chlich in Besitz nahm (Prinzip der EffektivitĂ€t). Dieser Beschluss bildete die Grundlage fĂŒr die in den folgenden Jahren deutlich beschleunigte Aufteilung Afrikas in Kolonien durch die europĂ€ischen MĂ€chte.
Nach der Niederschlagung des Mahdi-Aufstandes im Sudan durch die Anglo-Egyptian Nile Expeditionary Force unter Horatio Herbert Kitchener beschwor die Faschodakrise 1898 die Gefahr einer militĂ€rischen Konfrontation zwischen den KolonialmĂ€chten Frankreich und GroĂbritannien herauf. Hier kollidierten französische AnsprĂŒche auf das Territorium des Sudans â um eine territoriale Verbindung zum Roten Meer herzustellen und damit einen Ost-West-GĂŒrtel von Dschibuti bis Dakar zu schaffen â mit dem britischen Bestreben, das Niltal zu kontrollieren und sich der Vision einer Nord-SĂŒd-Verbindung von Kairo bis zum Kap der Guten Hoffnung anzunĂ€hern. Mit dem Sudanvertrag 1899 wurde zwischen beiden MĂ€chten ein Ausgleich ihrer kolonialen InteressensphĂ€ren in Afrika hergestellt, der den Wettlauf beendete und den Weg zur nachfolgenden Entente cordiale freimachte.[59] Auch danach gab es noch krisenhafte Spannungen und Streitigkeiten um koloniale AnsprĂŒche in Afrika zwischen GroĂbritannien, Deutschland, Frankreich, Belgien und Portugal, die sich bis 1914 aber nicht mehr in grundlegenden Ănderungen der Kolonialgrenzen niederschlugen.
Der Erste Weltkrieg als ZĂ€sur

1. Syrien (franz.),
2. Libanon (franz.),
3. PalÀstina (brit.),
4. Transjordanien (brit.),
5. Irak (brit.),
6. Togoland (brit.),
7. Togoland (franz.),
8. Kamerun (brit.),
9. Kamerun (franz.),
10. Ruanda-Urundi (belg.),
11. Tanganyika (brit.) und
12. SĂŒdwest-Afrika (sĂŒdafr.).
Mit dem Ersten Weltkrieg kam es zu Verschiebungen und neuen Entwicklungen in der Kolonialpolitik. Das Deutsche Kaiserreich verlor bereits bald nach Kriegsausbruch seine nicht verteidigungsfĂ€higen Besitzungen in West- und SĂŒdwestafrika an die Entente-MĂ€chte und die mit ihnen verbĂŒndete SĂŒdafrikanische Union. Nur Frankreich setzte afrikanische Soldaten â erst Freiwillige, dann auch in den Kolonien Zwangsrekrutierte â wĂ€hrend des ganzen Krieges zur VerstĂ€rkung an der eigenen Front gegen Deutschland ein, und zwar hĂ€ufig in besonders gefĂ€hrlichen Abschnitten oder in vorderster Linie bei Angriffen auf stark befestigte deutsche Stellungen.[60] Im Friedensvertrag von Versailles wurden die vormaligen deutschen Kolonien den SiegermĂ€chten zwar formal nur als Mandatsgebiete des Völkerbunds ĂŒbertragen; faktisch aber bedeutete dieses Regelung, dass Frankreich sein westafrikanische Kolonialreich arrondierte und GroĂbritannien in Ostafrika nun die schon lĂ€nger anvisierte durchgĂ€ngige Nord-SĂŒd-Verbindung durch eigenes Kolonialgebiet erlangte.
Zu den bedeutsamen Folgen des Ersten Weltkriegs gehörte auch, dass die USA als Seemacht zu GroĂbritannien aufgeschlossen hatten. Doch nicht nur diese WeltkriegsverbĂŒndeten, sondern auch Japan strebte mit seinen kolonialen Ambitionen die Rolle einer erstrangigen Seemacht an. Ein FlottenrĂŒstungswettlauf wie vormals zwischen Deutschland und GroĂbritannien wurde nun aber vermieden: Im Washingtoner Abkommen vereinbarten die fĂŒnf HauptseemĂ€chte maximale Tonnagezahlen fĂŒr ihren Schlachtschiffbau, wobei die USA und GroĂbritannien gleichauf an der Spitze standen, gefolgt von Japan und den ebenfalls mit gleicher Gesamttonnage angesetzten Frankreich und Italien. Vor allem Indien als Zentrum der britischen kolonialen Interessen erschien damit gesichert, zumal Hongkong und Singapur als Ă€uĂere Vorposten zu Festungen ausgebaut wurden.[61]
Die EigenstĂ€ndigkeit der als Dominions zur Selbstverwaltung gelangten, mehrheitlich von europĂ€ischen Siedlern bevölkerten britischen Kolonien â darunter Kanada, Australien und Neuseeland â gewann im engen militĂ€rischen Zusammenschluss mit dem Mutterland wĂ€hrend des Ersten Weltkriegs weiter an Boden, was in der Balfour-ErklĂ€rung 1926 und im Statut von Westminster 1931 auch schriftlich fixiert wurde. Die Perspektive eines solchen Dominion-Status könnte auch im UnabhĂ€ngigkeitskampf Indiens unter Mahatma Gandhi dazu beigetragen haben, den Widerstand gegen das britische Kolonialregime weitgehend gewaltfrei auszutragen.[62]
Der französische Kolonialismus der Zwischenkriegszeit in den 1920er und 1930er Jahren propagierte die Assimilation nicht mehr in gleicher Weise wie teils im 19. Jahrhundert. Da es nach der Phase der kolonialen Expansion annĂ€hernd ebenso viele gelbe, braune und schwarze âFranzosenâ gab wie weiĂe, stellte sich eine konsequente Assimilation nun als utopisch dar. Als Konsequenz ersetzte man das Assimilationskonzept durch eine Politik der Assoziation, bei der die farbigen Kolonisierten â von ausgewĂ€hlten Anpassungswilligen abgesehen â aber nicht als âBĂŒrgerâ (Citoyens), sondern als âUntertanenâ (Sujets) gefĂŒhrt wurden.[63]
In volkswirtschaftlicher Hinsicht wurden die kolonialpolitischen Weichen nach dem Ersten Weltkrieg ebenfalls neu gestellt. WĂ€hrend der Kolonialismus fĂŒr Frankreich und GroĂbritannien vor 1914 â trotz teilweise hoher Gewinne einzelner Firmen und Spekulanten â wegen der Kosten fĂŒr MilitĂ€r und VerwaltungsbĂŒrokratie in den Kolonien eher ein VerlustgeschĂ€ft gewesen war, begann er sich nun aufgrund von Investitionen in die koloniale Infrastruktur, die speziell Frankreich vornahm, fĂŒr die MutterlĂ€nder zu rentieren.[64] Den groĂen Eisenbahnbauten folgte der Ausbau von LandstraĂen, die auch entlegene Gegenden fĂŒr den Lastwagenverkehr erschlossen und das einheimische Transportunternehmertum ankurbelten. Zugleich wurden damit Grundlagen fĂŒr eine neue Logistik kolonialer Herrschaftssicherung gelegt, indem militĂ€rische VerbĂ€nde schneller und einfacher zu Unruheherden transportiert werden konnten. Hinzu kamen die neuen Möglichkeiten von LuftĂŒberwachung und Luftangriffen. Dadurch, dass mittels neuer Verkehrswege sich die Exportproduktion von den KĂŒstenregionen immer weiter ins Binnenland erstreckte, kam es zu einem zunehmend profitablen Aufschwung der kolonialen Exportwirtschaft.[65]
Als neue Kolonialmacht mit ausgreifenden Ambitionen suchte sich in der Zwischenkriegszeit das faschistische Italien zu etablieren. Libyen, das von Italien 1911 als Kolonie annektiert worden war, aber im Weltkrieg nicht gehalten werden konnte, wurde in jahrelangen KĂ€mpfen bis 1932 zurĂŒckerobert. 1936 wurde in einem unverhĂŒllten Angriffskrieg unter Einsatz nicht nur der Panzer- und Luftwaffe, sondern auch von Giftgas Ăthiopien erobert. Die nordafrikanischen Kolonien in Libyen und der Kyrenaika wurden von Mussolini hauptsĂ€chlich als Siedlungsland fĂŒr den italienischen BevölkerungsĂŒberschuss genutzt: Bis 1939 wurden 120.000 Italiener dort ansĂ€ssig, hauptsĂ€chlich als Agrarkolonisten und Weinbauern.[66]
Das Ende der Kolonialzeit
Die Ăra des Kolonialismus im engeren Sinne ging in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg zu Ende, als das âzerstörte und ausgeblutete Europaâ laut Boris Barth nicht mehr in der Lage war, sich die Restauration kolonialer Herrschaft zu leisten.[67] Die neuen Konstellationen zeigten sich nach und nach; denn Briten, Franzosen und NiederlĂ€nder hatten mit Hilfe der USA ihre im Pazifikkrieg an Japan verlorenen Besitzungen in Asien zunĂ€chst zurĂŒckgewonnen, wĂ€hrend sie ihre Positionen in Afrika sowie im Mittleren Osten behauptet hatten.[68]

FĂŒr GroĂbritannien, dessen âKronjuwelâ Britisch-Indien schon in der Zwischenkriegszeit zur UnabhĂ€ngigkeit gedrĂ€ngt hatte, kam es aber noch in der zweiten HĂ€lfte der 1940er Jahre zur Aufgabe groĂer Teile seines Kolonialreichs, als Indien, Pakistan und Burma die UnabhĂ€ngigkeit erlangten â allerdings um den Preis blutiger Auseinandersetzungen und Gewaltexzesse zwischen Hindus und Moslems infolge der Aufteilung. Den Emanzipationsbestrebungen der britischen Kolonien in Afrika in den 1950er und 1960er Jahren bot London die Perspektive einer an wirtschaftliche und politische StabilitĂ€tsbedingungen gekoppelten self governance sowie die Möglichkeit des Verbleibs im britischen Commonwealth of Nations. âSo gesehenâ, schrieb Franz Ansprenger, âbaute England nach dem Zweiten Weltkrieg nicht ein Empire ab, sondern ein neues Commonwealth auf.â Das britische ZurĂŒckweichen sei mit der Vorstellung verbunden gewesen, auf eine bessere und gesĂŒndere Weltordnung hinzusteuern und habe die schwĂ€cheren europĂ€ischen KolonialmĂ€chte Frankreich, Niederlande und Belgien diesbezĂŒglich unter Zugzwang gesetzt.[69]
Der in den Nachkriegsjahrzehnten stattfindende Entkolonialisierungsprozess verlief gleichwohl auf je spezifische Weise, und zwar in AbhĂ€ngigkeit von Wirkungsfaktoren wie der StĂ€rke und Aktionsformen der kolonialen Befreiungsbewegungen, der Gewaltbereitschaft von Kolonialregimen und Siedlern, der kolonialwirtschaftlichen Interessen und Weichenstellungen in den Metropolen bzw. MutterlĂ€ndern sowie der Einflussnahme AuĂenstehender, insbesondere der nunmehrigen SupermĂ€chte USA und UdSSR. So stand etwa der sich mancherorts lange hinziehende britische RĂŒckzug weniger als der französische unter dem Druck von nationalen Befreiungsbewegungen, die Entscheidungen erzwangen.[70]

Frankreichs militĂ€risches Engagement (Indochinakrieg) zwecks Wiederherstellung der Kolonialherrschaft in Indochina scheiterte am energischen Widerstand der vietnamesischen UnabhĂ€ngigkeitsbewegung unter FĂŒhrung Há» ChĂ Minhs, die von der UdSSR im Indochinakrieg mit Waffenlieferungen unterstĂŒtzt wurde und den französischen StreitkrĂ€ften 1954 in der Schlacht um Äiá»n BiĂȘn Phá»§ die entscheidende Niederlage beibrachte. Frankreichs Rolle als Kolonialmacht in Indochina war damit zu Ende; an seine Stelle als Widerpart der Viá»t Minh traten die USA in FortfĂŒhrung ihrer antikommunistischen Containment-Politik, die spĂ€ter in den Vietnamkrieg fĂŒhrte.
Nur mit UnterstĂŒtzung der USA hĂ€tten die Niederlande in Indonesien ihr an die Japaner verlorenes und in der Nachkriegszeit zur EigenstĂ€ndigkeit drĂ€ngendes Kolonialgebiet erfolgreich zurĂŒckgewinnen können. Den herkömmlichen Kolonialismus lehnten die USA nun allerdings ab; sie hatten nach der Kapitulation Japans auf die Wiederherstellung der eigenen Kolonialherrschaft ĂŒber die Philippinen verzichtet und forderten das Gleiche auch anderweitig. Auf Druck der Vereinigten Staaten und der Vereinten Nationen gaben die Niederlande bis 1950 ihre kolonialen Restitutionsanstrengungen auf, 1962 auch einschlieĂlich Neu-Guineas.[71]
Im âafrikanischen Jahrâ 1960 erlangten 18 Kolonien in Afrika, darunter 14 französische, zwei britische, eine italienische und der unter belgischer Kolonialherrschaft stehende Kongo die UnabhĂ€ngigkeit, letzterer innerhalb nur eines halben Ăbergangsjahres. Zwar wurde die neue Regierung nach einer Wahl mit relativ hoher Wahlbeteiligung (81,79 %) gebildet; der nachkoloniale Kongo erwies sich aber schon in seinem Neuanfang als wenig stabil und durch Abspaltungsbewegungen gefĂ€hrdet.[72] Patrice Lumumba wurde der erste Premierminister; er wurde am 14. September 1960 durch einen MilitĂ€rputsch (Kongo-Krise) gestĂŒrzt und im Januar 1961 ermordet.

Besonders umkĂ€mpft und langwierig war die Dekolonisation Algeriens, das als integraler Bestandteil Frankreichs galt. Der 1954 begonnene Algerienkrieg endete erst 1962 mit der von der algerischen Nationalen Befreiungsfront (FLN) â unter hohen Opferzahlen vor allem auf Seiten der Algerier â errungenen UnabhĂ€ngigkeit, wĂ€hrend Marokko und Tunesien bereits 1956 die UnabhĂ€ngigkeit von Frankreich erlangt hatten. Seither stand eine halbe Million französischer Soldaten in Algerien und damit der GroĂteil des französischen Heeres.[73] Die mit dem Algerienkrieg verbundenen politischen Verwerfungen fĂŒhrten das Ende der Vierten Französischen Republik herbei und zur neuerlichen Berufung von Charles de Gaulle an die Staatsspitze, der in einem mehrjĂ€hrigen Prozess auf eine beiderseits akzeptable AlgĂ©rie AlgĂ©rienne hinarbeitete.[74]
Die frĂŒhen KolonialmĂ€chte Portugal und Spanien hatte ihren lateinamerikanischen Kolonialbesitz bereits im 19. Jahrhundert verloren bzw. aufgegeben. Das Ende des Kolonialismus herkömmlicher Art steht gleichfalls mit Portugal in Verbindung, das nach der Nelkenrevolution 1974 seine afrikanischen Kolonien und Osttimor aufgab.[75] Die britische Kolonie Hongkong 1997 und die portugiesische Kolonie Macau 1999 waren die letzten NachzĂŒgler, die aus europĂ€ischer Kolonialherrschaft entlassen wurden.
Beteiligte und betroffene LĂ€nder im Ăberblick
KolonialmÀchte des SpÀtmittelalters
- Genua â Genueser Kolonien
- Venedig â Venezianische Kolonien (bis ins 18. Jahrhundert hinein)
KolonialmÀchte der Kolonialzeit
Klassische europĂ€ische KolonialmĂ€chte mit auĂereuropĂ€ischen Kolonien:
- Portugal â Portugiesische Kolonialgeschichte
- Spanien â Spanisches Kolonialreich
- England/Vereinigtes Königreich â Britisches Weltreich und Britische Kolonien und Protektorate
- Frankreich â Französische Kolonien
- Niederlande â NiederlĂ€ndische Kolonien, NiederlĂ€ndisch-Indien (Indonesien) und NiederlĂ€ndische Besitzungen in SĂŒdasien
- DĂ€nemark/DĂ€nemark-Norwegen â DĂ€nische Kolonien
- Deutsches Reich (erst im 19. Jahrhundert) â Deutsche Kolonien
- Italien (erst im 19. Jahrhundert) â Italienische Kolonien
- Russland â Russische Kolonisation
- Belgien (erst im 19. Jahrhundert) â Belgische Kolonien
Sonstige KolonialmÀchte der Kolonialzeit:
- Osmanisches Reich
- Vereinigte Staaten â Kolonien und Protektorate der Vereinigten Staaten, s. a. Bananenkriege
- Japan â Japanische Kolonien
EuropĂ€ische Staaten, die vergeblich versuchten, (auĂer)europĂ€ische Kolonien dauerhaft zu erwerben
- Ăsterreich/Ăsterreich-Ungarn â Ăsterreichische Kolonialpolitik
- Schweden â Schwedische Kolonialgeschichte
- Norwegen â Norwegische Besitzungen
- Brandenburg-PreuĂen â GroĂ Friedrichsburg (Kolonie) und Kolonien deutscher LĂ€nder vor 1871
- Kurland â KurlĂ€ndische Kolonialgeschichte
- Pisa (SpĂ€tmittelalter) â Republik Pisa
Halb-Kolonien der Kolonialzeit
Manche auĂereuropĂ€ischen LĂ€nder und Regionen waren nur zum Teil oder nur fĂŒr kurze Zeit (manche gar nicht) kolonialer Herrschaft unterworfen. Neben direkter Kolonialherrschaft gab es auch Vorteilsnahmen von KolonialmĂ€chten durch âungleiche VertrĂ€geâ, die aufgezwungen wurden und eine Form indirekter Herrschaft bewirkten. Davon betroffen waren z. B.:
Historisch-politische Einordnung

Was den frĂŒhneuzeitlichen europĂ€ischen Kolonialismus von anderen historischen Expansionsweisen und Arten der Reichsbildung unterschied, war das damit entstehende, weltumspannende Netz, das sich im Fortgang des Ausgreifens ĂŒber alle Kontinente erstreckte und mit dem Weltsystem der Eroberung zugleich ein â wenn auch regional sehr unterschiedlich strukturiertes â Weltsystem des Handels hervorbrachte. WĂ€hrend die EuropĂ€er im asiatischen Handel zunĂ€chst lediglich die Rolle eines Juniorpartners mit Nischen im Rahmen eines entwickelten Handelsverkehrs einnahmen, gerieten Afrika, Amerika und zuletzt Australien sowie Neuseeland mit jeweils weniger ausgebildeten Handelsnetzen umso ungebremster in die AbhĂ€ngigkeit europĂ€ischer Handelsinteressen.[76]
Vor und nach der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gelangte der koloniale Konkurrenzkampf der GroĂmĂ€chte weltweit auf den Höhepunkt. Eine Wahrheit, aber nicht die ganze, so Ansprenger, habe Lenin 1916 in der Schrift âDer Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismusâ in Kapitel VI zum Ausdruck gebracht: âJe höher entwickelt der Kapitalismus, je stĂ€rker fĂŒhlbar der Rohstoffmangel, je schĂ€rfer ausgeprĂ€gt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.â[77]
Die Dekolonisation im 20. Jahrhundert war laut Osterhammel Teil des Ăbergangs zu einem neuen Weltstaatensystem, das bis zum âgroĂen Umbruchâ 1989â1991 gekennzeichnet war durch 1. die weltweite Konfrontation des Ostblocks und der Staaten des westlichen BĂŒndnisses, 2. die RĂŒckwendung der (west-)europĂ€ischen GroĂmĂ€chte auf ihre europĂ€ischen Belange, 3. die Entstehung vieler postkolonialer Staaten, die sich entweder dem westlichen oder dem östlichen Lager zuwandten, 4. relative StĂ€rkung internationaler Organisationen, speziell der UNO, 5. ideologische Ăchtung von Kolonialismus (bei international teils fortbestehender rassischer Diskriminierung).[78]
Als einzige Kolonialmacht konnte Russland seine Herrschaft ĂŒber die Kolonialvölker in groĂem Umfang erhalten und eine Entkolonialisierung verhindern. Auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion blieben vor allem die in Asien unterworfen kleineren Völker unter russischer Herrschaft. Nach der Ausdehnung des Krieges gegen die Ukraine 2022, fĂŒr den vor allem Soldaten aus den Randbereichen Russlands rekrutiert wurden, entstanden sowohl innerhalb Russlands als auch bei russischen Exil-Indigenen Bewegungen, die sich ausdrĂŒcklich gegen die Kolonialisierung ihrer Völker wandten (u. a. Burjatien, KalmĂŒcken, Tuwa).[79]
Neuzeitliche Kolonialismus-Merkmale

Die kolonialistischen AbhĂ€ngigkeitsverhĂ€ltnisse waren generell vom Herrschaftsanspruch der Kolonisten bzw. KolonialmĂ€chte ĂŒber die Kolonisierten bestimmt. Aus dem Anspruch der Ăberlegenheit leiteten die Kolonialherren das Recht ab, den kulturell âzurĂŒckgebliebenenâ Völkern die âZivilisationâ zu bringen. WĂ€hrend die Briten von civilizing mission sprachen, lautete der französische Begriff mission civilisatrice und der deutsche Kulturmission. Gemeint war im Grunde das Gleiche: âMenschheitsbeglĂŒckung durch das europĂ€ische Zivilisationsmodell.â[80] Betrieben wurde also Anpassung an Normen und Sitten der EuropĂ€er. Mit den Jahrhunderten des europĂ€ischen Sklavenhandels und der Sklavenhaltung haben sich laut Götz GroĂklaus bei den weiĂen TĂ€tern âeine Vielzahl rassistischer Verhaltens- und Urteilsklischees eingeprĂ€gtâ, bei den schwarzen Opfern hingegen hĂ€tten sich âdie Traumata ihrer Deportation, ihrer sozialen und mentalen âOrtlosigkeitââ ins kollektive GedĂ€chtnis eingebrannt. VerhĂ€ngnisvoll wirke es sich aus, âdie Macht des kollektiven GedĂ€chtnisses bei âden Verdammten dieser Erdeâ nicht zur Kenntnis zu nehmen und nicht ins KalkĂŒl des politischen Handelns zu ziehen â auch dann nicht, wenn ein stets gegenwĂ€rtig virulenter Rassismus dazu nötigen sollte.â[81]
Anders als etwa die griechische Kolonisation im Hellenismus war der europĂ€ische Kolonialismus weit entfernt davon, eine Kultursynthese zu begĂŒnstigen. Bereits die frĂŒhesten spanischen und englischen Kolonialtheoretiker stilisierten die Eroberungen zu einer Heiden-Missionierung im Rahmen eines göttlichen Heilsplans oder der âZivilisierungâ der âBarbarenâ. Auch der spĂ€tere US-amerikanische und japanische Kolonialismus bedienten sich solcher sendungsideologischen Rhetorik. Andere Hochkulturen, wie z. B. auch die chinesische, waren ebenfalls von ihrer Höherwertigkeit ĂŒberzeugt, gingen aber nicht dazu ĂŒber, sie ihren Nachbarn aufzuzwingen.[82] Ob der Zionismus als eine Form von Kolonialismus angesehen werden kann, ist eine höchst umstrittene und politisch aufgeladene Frage, die im Umfeld des Nahostkonflikts immer wieder aufkommt.[83]
Nicht jede Fremdherrschaft wurde aber als illegitim aufgefasst. So wurde die osmanische Herrschaft ĂŒber Ăgypten zwischen 1517 und 1798 durchaus von groĂen Teilen der einheimischen, arabischsprechenden Bevölkerung anerkannt. Die Fremdheit der Sprache war weniger entscheidend als der gemeinsame Glaube und die damit einhergehende Verbindlichkeit islamischer Regeln der gerechten Regierung.[84] Der koptischen Bevölkerung war es einerlei, welche nichtchristliche Macht ĂŒber sie herrschte â fĂŒr die Kopten waren die ursprĂŒnglichen Mamluken-Herrscher genauso illegitim wie die Osmanen.
VerschrÀnkung mit dem Imperialismus
Seit dem 19. Jahrhundert wurde vor allem in PreuĂen eine Diskussion um die Notwendigkeit von Grenzkolonisation gegenĂŒber den benachbarten Slawen gefĂŒhrt, in der dann ĂŒber Ăsterreich auch der SĂŒdosten bis ans Schwarze Meer in ein âgroĂdeutschesâ Blickfeld geriet (siehe dazu Deutscher Grenzkolonialismus). Forcierter Kolonialismus und Imperialismus gingen zeitweise Hand in Hand, ganz deutlich etwa im Wettlauf um die Aufteilung Afrikas. In diesem Zusammenhang wurde Kolonialpolitik zum beigeordneten Faktor von Weltpolitik, wurden Kolonien zu Verhandlungsobjekten im Machtspiel der rivalisierenden GroĂmĂ€chte. DarĂŒber hinaus hatten imperiale MĂ€chte (wie z. B. das britische Empire des 19. und 20. Jahrhunderts) einen wirtschaftlichen und politischen Einfluss, der zum Teil weit ĂŒber die eigenen Kolonien hinausreichte. Zu den weitreichenden globalen Konsequenzen des Kolonialismus gehörte nicht zuletzt die Verbreitung des europĂ€ischen Staatskonzepts, teils verbunden mit absurden Begleiterscheinungen. So lieĂ man in französischen Kolonien Afrikaner Wendungen nachsprechen wie: âMeine Vorfahren, die GallierâŠâ[85]

Die Arbeiterparteien in den industrialisierten Staaten des Westens standen dem Kolonialismus nahezu geschlossen skeptisch bis strikt ablehnend gegenĂŒber. So ordnete der Sozialdemokrat Rudolf Hilferding ihn als Folge des entwickelten Monopolkapitalismus ein, der auf die Herstellung ausgedehnter Wirtschafts- und Ausbeutungsgebiete ausgerichtet sei. Mit dem dabei unvermeidlichen ZusammenstoĂ der kapitalistischen Interessen unter den rivalisierenden Staaten schlage die historische Stunde des Proletariats und der Arbeiterbewegung. Auch Rosa Luxemburg setzte darauf, dass der Zusammenbruch des Kapitalismus und der bestehenden Gesellschaftsordnung lediglich hinausgezögert werde, indem mit Hilfe ĂŒberschĂŒssigen Kapitals nicht-kapitalistische Gesellschaften ausgebeutet wĂŒrden.[86] Davon abweichend vertrat Eduard Bernstein die Idee, KolonialmĂ€chte sollten Demokratie und Fortschritt in unterentwickelte LĂ€nder exportieren. Zwar lehnte auch Bernstein in seinem 1899 erschienenen Werk Die Voraussetzungen des Sozialismus die kapitalistische Kolonialpolitik ab, vertrat aber die These, dass auch eine sozialistische Gesellschaft Kolonien haben dĂŒrfe, allerdings unter der PrĂ€misse der Entwicklung der Kolonien durch die dann sozialistischen und demokratischen Kolonialstaaten. Ăhnlich unterschied Karl Kautsky zwischen abzulehnenden Ausbeutungskolonien und eher erstrebenswerten Kolonien im Sinne sozialistischer Arbeitsorganisation.[87] Innerhalb der britischen Labour Party vertrat George Bernard Shaw unter dem Eindruck der Burenkriege zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Ansicht, es diene dem Schutz der schwarzen indigenen Bevölkerung vor den weiĂen Buren, wenn GroĂbritannien als demokratisch entwickelte Nation die Burenrepubliken annektierte.[88]
Von Teilen der unterworfenen Bevölkerungsgruppen wurden die westlichen Akkulturationsangebote verschiedentlich angenommen. So entwickelte sich in Bengalen innerhalb weniger Jahrzehnte eine Englisch sprechende Bildungsschicht. Kaufleute aus der Kolonialbevölkerung passten sich vielfach aus eigenem Interesse den international gĂŒltigen GeschĂ€ftsgepflogenheiten an, um auf neuen MĂ€rkten FuĂ fassen zu können. Seit dem 19. Jahrhundert kam es zur âSelbst-Zivilisierungâ auf westlicher Grundlage durch nichteuropĂ€ische Reformeliten, die so auf Voraussetzungen fĂŒr die Gleichberechtigung mit europĂ€ischen âModellstaatenâ wie GroĂbritannien und Frankreich hinarbeiteten.[89]
Die armen breiten Massen dagegen sahen zwar von fern âden Schimmer der dynamischen kolonialwirtschaftlichen Enklaven mit ihren regelmĂ€Ăigen Lohnzahlungen, Kinos und Autos fĂŒr die WeiĂen, FahrrĂ€dern fĂŒr die Farbigenâ, so Ansprenger. âSie sahen das deutlich genug, um auf positiven sozialen Wandel auch fĂŒr sich zu hoffen; aber diese Hoffnung verwirklichte sich nie.â[90]
Weltgeschichtliche Fortwirkung

Viele ehemalige Kolonien gehören heute zur sogenannten Dritten Welt: Als EntwicklungslĂ€nder weisen sie einen deutlich geringeren Lebensstandard als die SchwellenlĂ€nder und die Industriestaaten, von denen jedoch auch einige ehemalige Kolonien sind, beispielsweise Kanada, Australien oder SĂŒdkorea. Andere EntwicklungslĂ€nder wie Liberia oder Ăthiopien waren dagegen nie oder nur kurzzeitig Kolonien. Ăber den Zusammenhang zwischen EntwicklungsrĂŒckstand und kolonialer Vergangenheit herrscht in der Forschung kein Konsens. Verwiesen wird zum einen auf den Zustand wirtschaftlicher AbhĂ€ngigkeit von ihren ehemaligen Kolonisatoren, in dem sich viele ehemalige Kolonien auch nach ihrer UnabhĂ€ngigkeit befanden. Zum anderen lassen sich auch Ursachen in der soziopolitischen Organisation dieser Gesellschaften vor ihrer Kolonialisierung belegen.[91] Aufgrund der Festlegung von Grenzen auf dem ReiĂbrett durch die vormaligen KolonialmĂ€chte kam es in Afrika und im Nahen Osten immer wieder zu Spannungen und kriegerischen Auseinandersetzungen, da diese Grenzziehungen ethnische und religiös-kulturelle ZusammenhĂ€nge zu wenig berĂŒcksichtigt hatten. Die Dependenztheorie sieht in der fortgesetzten AbhĂ€ngigkeit der ehemaligen Kolonien eine Hauptursache der in ihnen verbreiteten Armut.[92]
Andere Entwicklungstheorien sehen die Ursachen dagegen in ihrer zumeist ungĂŒnstigen geografischen Lage. Die amerikanischen Politikwissenschaftlern Daron AcemoÄlu und James A. Robinson widerlegen am Beispiel der Doppelstadt Nogales diesen Geodeterminismus: Der heute US-amerikanische Teil verfĂŒgt bei gleicher Kultur und gleicher geografischer Lage ĂŒber deutlich mehr Wohlstand und demokratische Mitbestimmungsmöglichkeiten als der mexikanische. AcemoÄlu und Robinson nehmen vielmehr an, dass fĂŒr eine positive Entwicklung die Ausbildung inklusiver, das heiĂt zum Nutzen möglichst breiter Bevölkerungsschichten konzipierter politischer und wirtschaftlicher Institutionen ausschlaggebend ist. Dies könne durch Kolonialerfahrung verhindert werden: In der Demokratischen Republik Kongo etwa hĂ€tten die neuen Eliten nach der Dekolonisierung die extraktiven, das heiĂt auf Ausbeutung der Bevölkerung ausgerichteten Institutionen der Kolonialherren ĂŒbernommen und deren Renditen in die eigenen Taschen gelenkt, sodass sich an der Armut der Bevölkerung nichts Ă€nderte. Das Beispiel Botswana zeige aber, dass kein zwingender Zusammenhang zwischen Entwicklung bzw. Demokratie und Kolonialvergangenheit bestehe.[93]
Aspekte der heutigen Kultur und Politik ehemaliger Kolonien und KoloniallĂ€nder, die mit der kolonialen Vergangenheit zusammenhĂ€ngen, werden unter dem Begriff Postkolonialismus zusammengefasst. Eine wesentliche Erkenntnis der Postkolonialismusforschung ist es, dass die postkoloniale Situation nicht allein Kultur, Politik und Alltagsleben der ehemaligen Kolonien prĂ€gt, sondern dass sie ihren Niederschlag auch in den ehemaligen KoloniallĂ€ndern findet â z. B. hinsichtlich der Zuwanderung aus ehemaligen Kolonien in Metropolen wie London, Paris oder BrĂŒssel.
Neuere Bestrebungen, kolonialistische Machtstrukturen herzustellen, bezeichnet man als Neokolonialismus. Erscheinungsformen davon zeigen sich gemÀà JĂŒrgen Osterhammel heutzutage eher nicht im Zusammenhang mit Europa, sondern vornehmlich innerhalb der Dritten Welt. Beispiele dafĂŒr seien Chinas ânahezu lupenreine Kolonialpolitikâ in Tibet â einschlieĂlich Siedlerinvasion und sendungsideologischer Rechtfertigung â und die Politik Marokkos in der West-Sahara. Vor ihrer gröĂten Herausforderung stehe die vergleichende Kolonialismus- und Imperialismustheorie bei der historischen Deutung des vormaligen Vielvölkerstaates Sowjetunion im Hinblick auf Konzepte von Kolonisation und Dekolonisation.[94]
Als Antikolonialismus wird sowohl die Kritik am (Neo)Kolonialismus als auch der Widerstand gegen den (Neo)Kolonialismus bezeichnet.
Der Widerstand gegen den Kolonialismus als Befreiungsstreben von der Regierung der ImperialmĂ€chte ĂŒber die eroberten, unterworfenen und ausgebeuteten Kolonien kann (mit Ausnahme der russischen Völker in Asien) als erfolgreich abgeschlossen gelten, denn die ehemals von der europĂ€ischen, spĂ€ter auch nordamerikanischen und japanischen Expansion betroffenen âKolonienâ sind spĂ€testens seit 1990 weitgehend âstaatlich unabhĂ€ngigâ, im politischen Sinn also âdekolonialisiertâ. Ebenso ist entschiedene Kritik an kolonialistischem Denken und Handeln, also z. B. an herablassenden kolonialen Einstellungen oder an rassistischen und imperialistischen Praktiken heutzutage allgemeiner Konsens. Insofern diese Kritik aber zumeist von Intellektuellen (Ethnologen, Anthropologen, Soziologen, Theologen, Historikern) der (ehemals) kolonialisierenden LĂ€nder vorgetragen wurde und wird, bleibt sie oft in ethnozentrischen, insbesondere eurozentrischen Wertvorstellungen gefangen.
Siehe auch
Literatur
- Erwin Aschenbrenner: Kultur â Kolonialismus â Kreative Verweigerung: Elemente einer antikolonialistischen Kulturtheorie. Breitenbach, SaarbrĂŒcken / Fort Lauderdale 1990, ISBN 3-88156-467-5 (Inhaltsverzeichnis [PDF; 184 kB; abgerufen am 18. April 2021] zugl. Dissertation, UniversitĂ€t Regensburg).
- Marianne Bechhaus-Gerst, Joachim Zeller (Hrsg.): Deutschland postkolonial?: Die Gegenwart der imperialen Vergangenheit, Metropol, Berlin 2., aktualisierte und erweiterte Auflage 2021.
- Tom Burgis: Der Fluch des Reichtums. Warlords, Konzerne, Schmuggler und die PlĂŒnderung Afrikas. Westend, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-86489-148-9.
- Andreas Eckert: Fischer Kompakt: Kolonialismus. Fischer, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-596-15351-4.
- Olivier Le Cour Grandmaison: Coloniser, Exterminer. Sur la guerre et l'Ătat colonial. Fayard, Paris 2005.
- Götz GroĂklaus: Das Janusgesicht Europas. Zur Kritik des kolonialen Diskurses. Transcript, Bielefeld 2017, ISBN 978-3-8376-4033-5.
- Gerhard Henke-Bockschatz, Bernd-Stefan Grewe: Kolonialismus. In: Kompaktwissen. Reclam, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-15-017082-3.
- Philip T. Hoffman: Why Did Europe Conquer the World? Princeton University Press, Princeton 2015, ISBN 978-0-691-13970-8.
- JĂŒrgen Osterhammel: Kolonialismus: Geschichte, Formen, Folgen. Wissen Beck, 9. aktualisierte Auflage in Koautorschaft mit Jan C. Jansen, MĂŒnchen 2021, ISBN 978-3-406-77341-9
- Ludolf Pelizaeus: Der Kolonialismus. Geschichte der europÀischen Expansion. Marixverlag, 2. Auflage, Wiesbaden 2017, ISBN 3-86539-941-X.
- Wolfgang Reinhard: Kleine Geschichte des Kolonialismus (= Kröners Taschenausgabe. Band 475). 2., vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-520-47502-2.
- Wolfgang Reinhard: Die Unterwerfung der Welt eine Globalgeschichte der europĂ€ischen Expansion. 1415â2015. 4. Auflage. MĂŒnchen 2016, ISBN 978-3-406-68718-1.
- Eva-Maria Schnurr und Frank Patalong (Hrsg.): Deutschland, deine Kolonien. Geschichte und Gegenwart einer verdrĂ€ngten Zeit. DVA, MĂŒnchen 2022, ISBN 978-3-421-07002-9.
- Benedikt Stuchtey: Die europĂ€ische Expansion und ihre Feinde. Kolonialismuskritik vom 18. bis in das 20. Jahrhundert. Oldenbourg, MĂŒnchen 2010.
- Reinhard Wendt: Herrschaft. In: EuropĂ€ische Geschichte Online, hrsg. vom Institut fĂŒr EuropĂ€ische Geschichte (Mainz), 2010.
- Reinhard Wendt: Vom Kolonialismus zur Globalisierung Europa und die Welt seit 1500. 2., aktualisierte Auflage. Paderborn 2016, ISBN 3-8252-4236-6.
- Olaf Zimmermann, Theo GeiĂler (Hrsg.): Kolonialismus-Debatte: Bestandsaufnahme und Konsequenzen. Nachdruck von BeitrĂ€gen und Interviews aus Politik & Kultur, Zeitung des Deutschen Kulturrates, Nr. 17, Deutscher Kulturrat, Berlin 2019, ISBN 978-3-947308-18-7.
Weblinks
- Kolonialismus. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 44â45/2012
- Bouda Etemad: Kolonialismus. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 18. September 2024.
- Kolonialismus: Als Europa die Welt beherrschte deutschlandfunk.de, 10. MĂ€rz 2016
- Eintrag in Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy. (engl.)
Einzelnachweise
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- â Hans Köchler: Demokratie und neue Weltordnung: ideologischer Anspruch und machtpolitische RealitĂ€t eines ordnungspolitischen Diskurses. AG Wissenschaft und Politik, 1992, S. 9, 26.
- â Pelizaeus 2008, S. 20; Osterhammel 1995, S. 14.
- â Osterhammel 1995, S. 9.
- â Pelizaeus 2008, S. 21.
- â Pelizaeus 2008, S. 20; Osterhammel 1995, S. 11 und 14.
- â Osterhammel 1995, S. 15; Pelizaeus 2008, S. 20 f.
- â Pelizaeus 2008, S. 40 und 42 f.
- â Pelizaeus 2008, S. 122 f.
- â Pelizaeus 2008, S. 132â138.
- â Roland Bernhard, Jutta Wimmler: âDreieckshandelâ, Glasperlen und Gender. Mythische Narrative zum transatlantischen Sklavenhandel in aktuellen deutschen und österreichischen SchulbĂŒchern. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 70, Heft 3/4 (2019), S. 149â164.
- â Christian Koller: Der Wettlauf um Afrika. Wirtschaftliche und politische Motive bei der Aufteilung des Kontinents. In: Boris Barth et al.: Das Zeitalter des Kolonialismus. Stuttgart 2007, S. 76.
- â Koller 2007, ebenda.
- â Osterhammel 1995, S. 80.
- â Bezeichnend in diesem Zusammenhang ist das Wort von Paul Henri dâEstournelles de Constant 1899 im französischen Parlament: âIl y a deux choses dans la politique coloniale: dâabord la joie des conquĂȘtes et ensuite la carte Ă payer.â Franz Ansprenger: Auflösung der Kolonialreiche (= dtv-Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, Bd. 13), dtv, 4. Auflage, MĂŒnchen 1981, S. 22 f.
- â Franz Ansprenger: Auflösung der Kolonialreiche, dtv, 4. Auflage, MĂŒnchen, S. 22 f. und 26.
- â Osterhammel 1995, S. 88.
- â Hans Werner Debrunner: Schweizer im kolonialen Afrika. Basler Afrika Bibliographien, Basel 1991, ISBN 3-905141-51-5.
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- â Anneliese Tenisch: Die schwarze Seite von Neuenburg. Schweizer Radio und Fernsehen SRF, 1. November 2013, abgerufen am 5. Oktober 2016.
- â Maya BrĂ€ndli: Schweizer Kolonialgeschichte: Spurensuche im TrĂŒben. In: Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). 16. MĂ€rz 2015, abgerufen am 5. Oktober 2016.
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- â JĂŒrgen Osterhammel: Vom Umgang mit dem âAnderenâ. Zivilisierungsmissionen â in Europa und darĂŒber hinaus. In: Boris Barth et al.: Das Zeitalter des Kolonialismus. Stuttgart 2007, S. 47.
- â Franz Ansprenger: Auflösung der Kolonialreiche, dtv, MĂŒnchen 1981, S. 8.
- â JĂŒrgen Osterhammel: Vom Umgang mit dem âAnderenâ. Zivilisierungsmissionen â in Europa und darĂŒber hinaus. In: Boris Barth et al.: Das Zeitalter des Kolonialismus. Stuttgart 2007, S. 47 f.
- â Pradeep Chakkarath: Der dunkle Kontinent â Kolonialisierung und Dekolonialisierung der Psyche und der Psychologie. psychosozial 165, 75-85. In: psychosozial. Band 165, Nr. 3, 2021, ISSN 0171-3434, S. 75–85.
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- â JĂŒrgen Osterhammel: Vom Umgang mit dem âAnderenâ. Zivilisierungsmissionen â in Europa und darĂŒber hinaus. In: Boris Barth et al.: Das Zeitalter des Kolonialismus. Stuttgart 2007, S. 46.
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- â JĂŒrgen Osterhammel: Vom Umgang mit dem âAnderenâ. Zivilisierungsmissionen â in Europa und darĂŒber hinaus. In: Boris Barth et al.: Das Zeitalter des Kolonialismus. Stuttgart 2007, S. 50 und 52.
- â Vgl.: Peter Feldbauer: Mediterraner Kolonialismus. Magnus-Verlag, Essen 2005, ISBN 3-88400-600-2.
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- â Die Ă€lteste Aktie der Welt / the oldest Share: VOC 1606. In: oldest-share.com. Abgerufen am 1. MĂ€rz 2015.
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- â Nagel ebenda, S. 79.
- â JĂŒrgen G. Nagel: Freitod auf Bali. Ein Kapitel Kolonialgeschichte aus NiederlĂ€ndisch-Indien. In: Boris Barth et al.: Das Zeitalter des Kolonialismus. Stuttgart 2007, S. 82.
- â Pelizaeus 2008, S. 76 f.
- â Michael Mann: Imperialer Herrschaftsstil. Britisch-Indien in den Zeiten des Imperialismus. In: Boris Barth et al.: Das Zeitalter des Kolonialismus. Stuttgart 2007, S. 13.
- â Pelizaeus 2008, S. 142.
- â Osterhammel 1995, S. 42.
- â Alexander Keese / Christian Windler: Eine groĂe französische Familie? Kolonialideologie kontra Herrschaftspraxis â Frankreich in Afrika. In: Boris Barth et al.: Das Zeitalter des Kolonialismus. Stuttgart 2007, S. 21 f.
- â Pelizaeus 2008, S. 218; Alexander Keese / Christian Windler: Eine groĂe französische Familie? Kolonialideologie kontra Herrschaftspraxis â Frankreich in Afrika. In: Boris Barth et al.: Das Zeitalter des Kolonialismus. Stuttgart 2007, S. 23.
- â Alexander Keese / Christian Windler: Eine groĂe französische Familie? Kolonialideologie kontra Herrschaftspraxis â Frankreich in Afrika. In: Boris Barth et al.: Das Zeitalter des Kolonialismus. Stuttgart 2007, S. 24.
- â Matt Fitzpatrick: Imperialism from Below: Informal Empire and the Private Sector in NineteenthâCentury Germany. In: Australian Journal of Politics & History. Band 54, Nr. 3, September 2008, ISSN 0004-9522, S. 368 ff., doi:10.1111/j.1467-8497.2008.00503.x (wiley.com [abgerufen am 17. April 2024]).
- â Kim Sebastian Todzi: Unternehmen Weltaneignung. Wallstein Verlag, 2023, ISBN 978-3-8353-5367-1, S. 424 ff., doi:10.5771/9783835384453/unternehmen-weltaneignung (nomos-elibrary.de [abgerufen am 17. April 2024]).
- â Michael Fröhlich: Imperialismus. Deutsche Kolonial- und Weltpolitik 1880â1914. dtv, MĂŒnchen 1994, S. 20â36.
- â Zur Debatte ĂŒber Bismarcks Motive siehe Michael StĂŒrmer: Das ruhelose Reich. Deutschland 1866â1918. Siedler, Berlin 1994, S. 230 ff; Michael Fröhlich: Imperialismus. Deutsche Kolonial- und Weltpolitik 1880â1914. dtv, MĂŒnchen 1994, S. 38 f.; Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 3: Von der âDeutschen Doppelrevolutionâ bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1845/49â1914. C.H. Beck, MĂŒnchen 1995, S. 980â990; Winfried Speitkamp: Deutsche Kolonialgeschichte. Reclam, Stuttgart 2005, S. 23 ff.
- â Sebastian Conrad: Deutsche Kolonialgeschichte. MĂŒnchen: C.H. Beck, 2008, ISBN 978-3-406-56248-8.
- â Winfried Speitkamp: Deutsche Kolonialgeschichte. Stuttgart: Reclam, 2005, ISBN 3-15-017047-8.
- â Horst GrĂŒnder: Geschichte der deutschen Kolonien. UTB, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8252-3639-7.
- â Dominic Johnson spricht von einer âkolonialen Amnesieâ der Deutschen. (Dominic Johnson: Koloniale Amnesie. Die Tageszeitung, 17./18. Januar 2004. S. 11.)
- â Andreas Kappeler, RuĂland als Vielvölkerstaat, MĂŒnchen 2001, S. 300.
- â âVom versprochenen Selbstbestimmungsrecht blieb in Russisch-Asien nur die formelle EigenstĂ€ndigkeit einiger Sowjetrepubliken ĂŒbrig, die man wohlweislich nach âtribalistischenâ GrundsĂ€tzen einteilte; dazu ein Quentchen kulturelle Autonomie, um die politische und soziale Vorherrschaft der Russen schmackhafter zu machen.â Franz Ansprenger: Auflösung der Kolonialreiche. dtv, MĂŒnchen 1981, S. 142 f.
- â Christian Koller: Der Wettlauf um Afrika. Wirtschaftliche und politische Motive bei der Aufteilung des Kontinents. In: Boris Barth et al.: Das Zeitalter des Kolonialismus. Stuttgart 2007, S. 69 f.
- â Christian Koller: Der Wettlauf um Afrika. Wirtschaftliche und politische Motive bei der Aufteilung des Kontinents. In: Boris Barth et al.: Das Zeitalter des Kolonialismus. Stuttgart 2007, S. 74.
- â Boris Barth: Die ZĂ€sur des Ersten Weltkriegs. Hochzeit und Dekolonisation der Kolonialreiche. In: Ders. et al.: Das Zeitalter des Kolonialismus. Stuttgart 2007, S. 113.
- â Franz Ansprenger: Auflösung der Kolonialreiche. dtv, MĂŒnchen 1981, S. 37.
- â Franz Ansprenger: Auflösung der Kolonialreiche. dtv, MĂŒnchen 1981, S. 42 ff.
- â Franz Ansprenger: Auflösung der Kolonialreiche. dtv, MĂŒnchen 1981, S. 82.
- â Boris Barth: Die ZĂ€sur des Ersten Weltkriegs. Hochzeit und Dekolonisation der Kolonialreiche. In: Ders. et al.: Das Zeitalter des Kolonialismus. Stuttgart 2007, S. 115.
- â Osterhammel 1995, S. 43.
- â Franz Ansprenger: Auflösung der Kolonialreiche. dtv, MĂŒnchen 1981, S. 122â129.
- â Boris Barth: Die ZĂ€sur des Ersten Weltkriegs. Hochzeit und Dekolonisation der Kolonialreiche. In: Ders. et al.: Das Zeitalter des Kolonialismus. Stuttgart 2007, S. 117.
- â Osterhammel 1995, S. 120.
- â Franz Ansprenger: Auflösung der Kolonialreiche. dtv, MĂŒnchen 1981, S. 162.
- â JĂŒrgen Osterhammel 1995, S. 119 f.
- â Franz Ansprenger: Auflösung der Kolonialreiche, dtv, 4. Aufl. 1981, S. 259â263; Boris Barth: Die ZĂ€sur des Ersten Weltkriegs. Hochzeit und Dekolonisation der Kolonialreiche. In: Ders. et al.: Das Zeitalter des Kolonialismus. Stuttgart 2007, S. 118.
- â Franz Ansprenger: Auflösung der Kolonialreiche. dtv, 4. Auflage, 1981, S. 270 f.
- â Franz Ansprenger: Auflösung der Kolonialreiche, dtv, 4. Auflage, 1981, S. 236 f.
- â Franz Ansprenger: Auflösung der Kolonialreiche MĂŒnchen, 4. Auflage, 1981, S. 247; Boris Barth: Die ZĂ€sur des Ersten Weltkriegs. Hochzeit und Dekolonisation der Kolonialreiche. In: Ders. et al.: Das Zeitalter des Kolonialismus. Stuttgart 2007, S. 120 f.
- â âDer Kolonialismus als Ausdrucksform europĂ€ischer Weltbeherrschung hat im dritten Quartal des 20. Jahrhunderts seinen historischen Zyklus abgeschlossenâ, heiĂt es bei Osterhammel. (JĂŒrgen Osterhammel 1995, S. 124)
- â Pelizaeus 2008, S. 11 f.
- â Zit. n. Franz Ansprenger: Auflösung der Kolonialreiche MĂŒnchen, 4. Auflage, 1981, S. 13.
- â Osterhammel 1995: S. 120 f.
- â Birger SchĂŒtz: Postkolonialismus in Russland â Das ist nicht euer Krieg!, FAZ vom 27. September 2024, S. 13.
- â JĂŒrgen Osterhammel: Vom Umgang mit dem âAnderenâ. Zivilisierungsmissionen â in Europa und darĂŒber hinaus. In: Boris Barth et al.: Das Zeitalter des Kolonialismus. Stuttgart 2007, S. 46.
- â GroĂklaus 2017, S. 191 und 202.
- â Osterhammel 1995: S. 20.
- â Hier sieht Osterhammel fĂŒr die 1967 von Israel besetzten Gebiete mit palĂ€stinensischer Bevölkerungsmehrheit Merkmale von Kolonialismus, nicht aber âvollentfaltete Systemeâ kolonialer Herrschaft. (Osterhammel 1995: S. 123)
- â Vgl. Osterhammel 1995, S. 19.
- â Marlene P. Hiller im Vorwort zu: Boris Barth et al.: Das Zeitalter des Kolonialismus. Stuttgart 2007, S. 7.
- â Christian Koller: Der Wettlauf um Afrika. Wirtschaftliche und politische Motive bei der Aufteilung des Kontinents. In: Boris Barth et al.: Das Zeitalter des Kolonialismus. Stuttgart 2007, S. 70.
- â Karl Kautsky: Sozialistische Kolonialpolitik. Die Neue Zeit Nr. 28/1909, S. 33â43.
- â Bernard Shaw: Fabianism and the Empire. A Manifest by the Fabian Society, London 1900.
- â JĂŒrgen Osterhammel: Vom Umgang mit dem âAnderenâ. Zivilisierungsmissionen â in Europa und darĂŒber hinaus. In: Boris Barth et al.: Das Zeitalter des Kolonialismus. Stuttgart 2007, S. 52 f.
- â Franz Ansprenger: Auflösung der Kolonialreiche MĂŒnchen, 4. Auflage, 1981, S. 27.
- â Hans-Peter MĂŒller et al.: Atlas of Pre-Colonial Societies
- â Andreas Boeckh: Entwicklungstheorien. In: Dieter Nohlen (Hrsg.): Lexikon der Politik, Band 1: Politische Theorien. Directmedia, Berlin 2004, S. 70 ff.
- â Daron AcemoÄlu, James A. Robinson: Warum Nationen scheitern. Die UrsprĂŒnge von Macht, Wohlstand und Armut. S. Fischer, Frankfurt am Main 2013, S. 72â71, 118â125 und 462â488.
- â Osterhammel 1995, S. 122 f.