

Ein Ewer ist ein kleinerer, aus Friesland stammender Segelschifftyp mit Plattboden und einem oder zwei Masten, ursprĂŒnglich ohne Kiel. Einmastige Ewer werden als Pfahl- oder Giekewer bezeichnet, zweimastige heiĂen Besanewer.
Bei zweimastigen Ewern ist der achtern stehende Besanmast deutlich kĂŒrzer als der vor ihm stehende GroĂmast. Er ist also ein Anderthalbmaster. Ewer sind gaffelgetakelt. Vor dem GroĂmast fahren die Ewer ĂŒblicherweise KlĂŒver und Fock. Typisches Merkmal sind das flache Unterwasserschiff und hĂ€ufig Seitenschwerter, mit denen bei Am-Wind- und Halbwindkurs die Abdrift verringert wird. Die Ewer im norddeutschen Raum sind im Schnitt 16 Meter lang und vier Meter breit.
Geschichte, Verbreitung und Verwendung
Ein Schiffstyp mit der Bezeichnung Ewer ist seit dem Mittelalter bekannt; eine erste schriftliche ErwĂ€hnung stammt aus dem flĂ€mischen Sprachraum aus dem Jahre 1252 und bezeichnet den eenvare.[1] Im Wörterbuch der deutschen Sprache wird vermutet, dass niederlĂ€ndisch envarer = âEinfahrerâ bedeuten könnte, was auf eine ursprĂŒngliche Ein-Mann-Besatzung hindeuten wĂŒrde.[1] Aus Jörgen Brackers Sicht wĂ€ren die Ewer fĂŒr einen Einhandsegler zu groĂ. Er vermutet eine Herkunft von var(e) = Last oder Fuhre, damit wĂ€re ein Ewer ein Boot, das die Last einer vierspĂ€nnigen Fuhre transportieren könne, in der Regel das Gewicht bzw. die Masse von 12 groĂen gefĂŒllten Tonnen.[1]
Bereits im 14. Jahrhundert, bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, wurde mit Ewern ĂŒber die Ilmenau Salz von LĂŒneburg nach LĂŒbeck und Hamburg transportiert. Im 16. und 17. Jahrhundert waren mehr als 50 dieser Schiffe auf dem Fluss unterwegs. Sie hatten eine LĂ€nge von 15 bis 20 Metern und konnten bis zu 20 Tonnen laden.[2] Ab etwa 1800 fanden sie vor allem im Gebiet der Unterelbe und Unterweser sowie auch in den Niederlanden und DĂ€nemark Verbreitung. Mit ĂŒber 2000 gebauten Booten waren sie im 19. Jahrhundert der am hĂ€ufigsten eingesetzte Schiffstyp in Deutschland. Die meisten Ewer hatten eine Lebensdauer von bis zu 30 Jahren, nur ein Viertel der Ewer konnte bis zu 50 Jahre genutzt werden.[3] Sie wurden besonders als Frachtschiffe in der KĂŒsten- und Flussschifffahrt genutzt, teilweise auch als Fischereifahrzeuge.
FĂŒr den Niederelbraum lĂ€sst sich die Entwicklung nachvollziehen, dass bis 1800 vor allem halbgedeckte, einmastige Boote mit Rahsegel und hochgezogenem Vordersteven Verwendung fanden.[4] Dieser Ewertyp wurde dann bis 1840 ungebrĂ€uchlich. Um ihn von dem folgenden Typ abzugrenzen, wurde er nachtrĂ€glich als Pfahlewer bezeichnet.[5]
FĂŒr die Ewer wurden teilweise regionale Bezeichnungen verwendet, dabei beschreibt der niederdeutsche Begriff Dreuchewer den Trockenewer, also einen Ewer ohne BĂŒnn, der auĂer dem Ewer der Fischerei alle Ewertypen umfasst:
- Fischewer (1740 gab es in Blankenese 60 Fischewer, 1787 waren es 140.)
- Bugsierewer
- FĂ€hrewer
- Kartoffelewer
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts werden Ewer hĂ€ufig zusĂ€tzlich mit Motoren ausgerĂŒstet. SpĂ€ter wurde auf die Takelage ganz verzichtet und die Ewer wurden nur noch mit eigenem Motor oder als Schleppverband gefahren.
Erhaltene Exemplare
| Name | Baujahr | Bauwerft | Typ | Heimathafen | Bemerkung |
|---|---|---|---|---|---|
| Windsbraut | 1911 | Ropers Stade | AlstermaĂewer | Stade | |
| Anna - Lisa | 1906 | Junge Wewelsfleth | AlstermaĂewer | Wischhafen | |
| Petrine | 1909 | Frachtschiff | Hiddensee | ||
| Amazone | 1909 | Jacobs Morreege | Frachtschiff | Germaniahafen Kiel | |
| Johanna | 1903 | Frachtschiff | Hamburg | ||
| Catarina | 1889 | Fischereischiff | Hamburg | ||
| Annemarie | 1914 | Frachtschiff | Hooge | ||
| Moewe | 1907 | Fack Itzehoe | Frachtschiff | Museumshafen Oevelgönne | |
| Elfriede | 1904 | Frachtschiff | Museumshafen Oevelgönne | ||
| Hermann | 1905 | Frachtschiff | Deutsches Hafenmuseum | ||
| Luise | 1906 | Frachtschiff | Göhren (RĂŒgen) | ||
| Alfred | 1913 | Frachtschiff | Greifswald | ||
| Friedrich | 1910 | Ropers Stade | Frachtschiff | Leer | |
| Jonas von Friedrichstadt | 1911 | ||||
| Maria | 1881 | Fischewer | MĂŒnchen | ||
| Maria af von Hoff | 1981 (Nachbau) | Fischewer | Kappeln | ||
| Frieda[6] | 1909 | Junge Wewelsfleth | Giekewer | Stade | |
| Margareta | 1897 | Giekewer | Buxtehude | ||
| Willi | 1926 | Jacobs Morreege | Giekewer | Stade | |
| Ronja | 1997 | Pfahlewer Replik | Husum | ||
| Melpomene | 1895 | LÀgerdorfer Frachtewer | Stöckte | ||
| Anna von Otterndorf | 1910 | Junge Wewelsfleeth | LĂ€gerdorfer Frachtewer | Hamburg | |
| Catharina | 1895 | LĂ€gerdorfer Frachtewer | Krautsand | ||
| Wilhelmine | 1912â1914 | Jacobs Morrege | LĂ€gerdorfer Ewer | Stade |
Siehe auch
- Milch-Ewer: kleine Ewer, mit denen Milchprodukte in die StÀdte Hamburg und Altona transportiert wurden
- EwerfĂŒhrer: SchiffsfĂŒhrer im Hamburger Hafen
Weblinks
Einzelnachweise
- â a b c Jörgen Bracker: Bemerkungen zur Konstruktion und Ausstattung der Hamburger Staatsewer, Schniggen und Huckboote im Lichte der Hamburger KĂ€mmereirechnungen. In: Bewahren und Berichten : Festschrift fĂŒr Hans-Dieter Loose zum 60. Geburtstag. Zeitschrift des Verein fĂŒr Hamburgische Geschichte Band 83.1, 1997. S. 167 ff
- â Salzmuseum LĂŒneburg: Ilmenau-Ewer
- â Hans Szymanski: Die Ever der Niederelbe (1932). EuropĂ€ischer Hochschulverlag, Bremen 2011, ISBN 978-3-86741-726-6, S. 41.
- â Wilfried Botha: BauplĂ€ne eines Blankeneser Pfahlewers. In: Jahrbuch des Altonaer Museums. Band 1878 / 1979, 1980 (deutsche-digitale-bibliothek.de).
- â Alter Pfahlewer von Finkenwerder. In: FĂŒhrer durch die Abteilung fĂŒr Seefischerei. Jahrgang 1903 der Mitteilungen des Altonaer Museums, Nr. 2,3,4, S. 7 ff. (deutsche-digitale-bibliothek.de).
- â Giekewer Frieda. Abgerufen am 3. Februar 2026.
















