Schnittzeichnung eines schwimmenden Estrichs

Als Estrich [ˈɛstrÉȘ⁠ç⁠] (althochdeutsch esterih; ĂŒber lateinisch astracus, astricus „Pflaster (aus Tonziegeln)“ von altgriechisch ᜄστραÎșÎżÎœ Ăłstrakon „Scherbe, irdenes TĂ€felchen“) bezeichnet man in Deutschland und Österreich den Aufbau des Fußbodens als ebenen Untergrund fĂŒr FußbodenbelĂ€ge. Estriche werden je nach entsprechender Art und AusfĂŒhrung auch fertig nutzbarer Boden genannt.

Das schweizerische Wort fĂŒr Estrich ist Unterlagsboden, das Wort „Estrich“ bezeichnet dort den Dachboden.

Neben seiner Aufgabe als „FĂŒll- und Ausgleichsstoff“ ist ein Estrich vor allem als Lastverteilungsschicht anzusehen, unter der sich Heizungen, WĂ€rme- und SchalldĂ€mmungen befinden können.

Eine Sonderform ist der sogenannte „Nutzestrich“ oder „Sichtestrich“. Dabei ist der Estrich gleichzeitig die „Nutzschicht“ ohne Oberbodenbelag. Estrich wird aus Estrichmörtel hergestellt, dieser besteht aus einer Gesteinskörnung (meist Sand) und einem Bindemittel (z. B. Zement, Calciumsulfat, Magnesiumoxid, Bitumen). Alternativ dazu gibt es auch Trockenestrich aus Plattenwerkstoffen.

Frisch verlegter schwimmender Estrich mit hochgefĂŒhrten Randstreifen, deren Überstand spĂ€ter abgetrennt wird

Definition

Die DIN EN 13318 definiert den Begriff Estrich wie folgt: Schicht oder Schichten aus Estrichmörtel, die auf der Baustelle direkt auf dem Untergrund, mit oder ohne Verbund, oder auf einer zwischenliegenden Trenn- oder DĂ€mmschicht verlegt werden, um eine oder mehrere der nachstehenden Funktionen zu erfĂŒllen:

  • den Druck gleichmĂ€ĂŸig auf die darunterliegende DĂ€mmung verteilen
  • gleichmĂ€ĂŸiger Untergrund fĂŒr einen Bodenbelag
  • unmittelbare Nutzbarkeit
  • eine vorgegebene Höhenlage zu erreichen[1]

Estriche nach Bindemittel und Zuschlag

Estriche können nach ihren Bindemitteln unterschieden werden.

Zementestrich (CT)

Der bekannteste Estrich ist der nach DIN EN 13 813 als CT (von Cementitious screed) bezeichnete Zementestrich. Es handelt sich dabei um einen Mörtel, dessen KorngrĂ¶ĂŸe und Mischung auf seine spezielle Verwendung optimiert wurden. Üblicherweise werden KorngrĂ¶ĂŸen bis zu 8 mm verwendet. Bei Estrichdicken ĂŒber 40 mm darf das GrĂ¶ĂŸtkorn maximal 16 mm groß sein. Das MischverhĂ€ltnis von Zement zu Sand liegt etwa bei 1:5 bis 1:3.

Der Zementestrich (CT) hat den Vorteil der BestĂ€ndigkeit gegenĂŒber Wasser nach der AushĂ€rtung und auch KĂ€lte und Hitze sind kein Problem. Außerdem können mit Zement als Bindemittel hohe Festigkeiten erreicht werden. Nachteilig ist die AnfĂ€lligkeit des Zements fĂŒr chemische Angriffe (z. B. durch SĂ€uren) und das Verhalten auf DĂ€mmungen oder Trennlagen. Durch „SchrumpfungsvorgĂ€nge“, die sich beim ErhĂ€rtungsvorgang des Estrichs in Kriechen und Schwinden infolge der ungleichmĂ€ĂŸigen Hydratation ausdrĂŒcken, ist die FeldgrĂ¶ĂŸe in der Regel auf 36 mÂČ zu begrenzen, da sich in der Konstruktion sonst unkontrolliert Risse bilden. Des Weiteren benötigt der Zementestrich relativ lange, bis er belegereif ist.

Zementestrich erfordert nach dem Mischvorgang eine unverzĂŒgliche Verarbeitung und beim Einbringen sowie wĂ€hrend der ersten drei Tage der Erstarrung eine Mindesttemperatur von 5 °C (auch nachts). WĂ€hrend der Erstarrungsphase darf diese Temperatur nicht unterschritten werden, da sonst mit starken Festigkeitsverlusten zu rechnen ist. Der Estrich ist außerdem vor Zugluft und Wassereintrag (undichtes Dach, Auskippen von Wasser usw.) zu schĂŒtzen. Die Zugluft fĂŒhrt durch den Kapillarzug zu einer erhöhten Hydratation im OberflĂ€chenbereich. Das bedeutet, dass „oben“ ein kleineres Volumen ist als „unten“ und der Estrich stark schĂŒsselt. Zu viel WĂ€rme zum Beispiel durch Zwangstrocknungen mit Heizungen fĂŒhren zum Abbruch der Hydratation bzw. des Kristallwachstums. Daraus resultiert ein Schaden, wenn der Estrich Feuchte bekommt, z. B. durch Wasser aus einem Verlegemörtel. Die Begehbarkeit richtet sich nach der Art des Zements (CEM I, CEM II), der Dicke und den Umgebungsbedingungen. Ein schwimmend verlegter Zementestrich sollte frĂŒhestens nach 3 Tagen begangen werden. Nach 28 Tagen kann die erste Feuchtemessung durchgefĂŒhrt werden.

Soll der Zementestrich mit einem Bodenbelag versehen werden, so muss der Estrich „genĂŒgend trocken“ (3.1.1 der DIN 18365 – Bodenbelagsarbeiten) sein. Nach einer Empfehlung zweier VerbĂ€nde aus dem Jahr 2007 soll die Feuchtigkeitsmessung mit der Calciumcarbid-Methode (CM) nach DIN 18560 durchgefĂŒhrt werden. Die so genannte Belegreife soll erreicht sein, wenn der Estrich eine Restfeuchte von maximal 2,0 CM % (unbeheizt) bzw. 1,8 CM % (beheizt) aufweist. Sowohl die Messmethode als auch die empfohlenen Grenzwerte werden kritisiert; nach einer im MĂ€rz 2012 veröffentlichten Studie der Technischen Kommission Bauklebstoffe (TKB) und der UniversitĂ€t Siegen trennt der CM-Grenzwert von 2 % belegreife Estriche nicht sicher von nicht belegreifen Estrichen. Bei diesem Grenzwert werden auch nasse Estriche als trocken bewertet.[2] Die DIN 18560 sagt außerdem, dass die Beurteilung der Belegreife zur PrĂŒfpflicht des Oberbodenlegers direkt vor der Verlegung gehört.

Bisher wird die Feuchtemessung bei Estrichen jedoch weiterhin nach der CM-Methode nach DIN 18560-1 durchgefĂŒhrt. Die aktuellste Version der Norm DIN 18560-1 ist aus dem Jahre 2015. Diese PrĂŒfmethode gilt auch fĂŒr Calciumsulfat- und Magnesiaestriche, nicht aber fĂŒr Kunstharz- und nicht fĂŒr Gussasphaltestriche, da diese wasserfrei hergestellt werden.

Schnellestriche auf Zementbasis bestehen aus Zement mit ZusĂ€tzen. Hier gelten andere Bedingungen fĂŒr die ErhĂ€rtung und die Belegreife, die von Art und Wirkung des Zusatzes abhĂ€ngt. Diese Estriche unterliegen nicht der DIN 13813 und gelten als Sonderkonstruktion. In dem Merkblatt 14 der Technischen Kommission Bauklebstoffe (TKB) wird festgestellt, dass sich bei Schnellestrichen grundsĂ€tzlich keine verlĂ€sslichen Aussagen zur Belegreife machen lassen. Die Ausnahme bilden Estriche mit ternĂ€ren Bindemitteln. Dabei handelt es sich um Drei-Stoffgemische bestehend aus Portland-/Normalzement, Aluminatzement (Tonerdeschmelzzement), Calciumsulfat und weiteren Additiven. Dabei sind die Angaben vom Hersteller maßgeblich.

Ausgestemmter Zementestrich gilt als normaler Bauschutt, sofern keine organischen Bestandteile >5 % enthalten sind. Grundlage dafĂŒr ist die Verordnung ĂŒber das EuropĂ€ische Abfallverzeichnis (AVV).

Gussasphaltestrich (AS)

Der wasserfreie Gussasphaltestrich (AS) (von Mastic Asphalt screed) nach DIN EN 12591 besteht aus einem Gemisch aus Bitumen und Gesteinskörnungen (einschließlich FĂŒller). Je nach Belastungsanforderungen werden normalerweise maximale KorngrĂ¶ĂŸe zwischen fĂŒnf und elf Millimeter verwendet.

Da dieses Gemisch auf eine Temperatur zwischen 220 °C und 250 °C erhitzt werden muss, ist der Gussasphaltestrich beim Einbau gieß- und streichbar und braucht nicht verdichtet zu werden. Er kann schwellen- und fugenlos eingebracht werden. Seine geringe WĂ€rmeleitfĂ€higkeit und seine trittschallmindernde Eigenschaft können dazu fĂŒhren, dass abhĂ€ngig von den bauphysikalischen Anforderungen an die Deckenkonstruktion keine DĂ€mmungen eingebaut werden mĂŒssen. Er ist wasser- und wasserdampfdicht und stellt in Verbindung mit geeigneten Bitumen-Schweißbahnen oder einer Asphaltmastix eine Abdichtung im Sinne der DIN 18195 dar.

Die Einbaudicke von Gussasphaltestrich betrĂ€gt mindestens 20 mm. Liegt die Einbaudicke bei ĂŒber 40 mm so muss der Estrich in zwei Lagen eingebracht werden. Vor dem Erkalten wird die OberflĂ€che mit feinem Sand abgerieben.

Der Gussasphaltestrich kann entweder als Verbundestrich mit einer Bitumen-Schweißbahn als HaftbrĂŒcke oder als Schwimmender Estrich auf einer Trennlage mit DĂ€mmschicht eingebaut werden. Auch als Heizestrich ist Gussasphalt einsetzbar, wobei hier nur die HĂ€rteklasse ICH 10 zulĂ€ssig ist. Gussasphaltestrich wird, im Gegensatz zu Estrichen mit anderen Bindemitteln, aufgrund seiner Stempeleindringtiefe (nach DIN EN 12697-20) klassifiziert. Es gibt die HĂ€rteklassen IC 10, IC 15, IC 40, IC 100. Je höher die Zahl, desto weicher der Estrich.

Vor einer Belegung mit mineralischen Werkstoffen (Naturstein, Keramik, Betonwerkstein) ist eventuell eine Entkopplung oder eine Sperrschicht zu erstellen. Mörtelwasser ist hochalkalisch und kann die OberflÀche des AS kalt verseifen und eine Anhaftung erschweren. Hinzu kommt eine VerfÀrbungsgefahr durch wandernde bituminöse Stoffe. Weitere Nachteile sind die langsame Bewegung bei WÀrme und statischen und dynamischen Lasten, die vergleichsweise hohe WÀrmeausdehnung und das thermoplastische Verhalten.

Der grĂ¶ĂŸte Vorteil des Gussasphaltestrichs ist das schnelle Erreichen der Belegreife, so lĂ€sst sich ein Gussasphaltestrich meist schon nach einer kurzen AbkĂŒhlzeit von 2–3 Stunden begehen und im besten Fall nach etwa 4 Stunden belegen. Und die Verlegung ist unabhĂ€ngig von der Außentemperatur oder Witterung. ZusĂ€tzlich ist Gussasphaltestrich resistent gegen die meisten Laugen und SĂ€uren und somit auch fĂŒr Industriefußböden interessant.

Der grĂ¶ĂŸte Nachteil sind die hohen Kosten. Außerdem ist der Einbau in oberen Stockwerken oft problematisch, da der Estrich kaum pumpfĂ€hig ist.

Kunstharzestrich (SR)

Mit der internationalen Bezeichnung SR (von synthetic resin screed) werden Kunstharz­estriche, in der Regel Epoxydharz­estriche, bezeichnet. Aber auch Polyurethan, Polymethylmethacrylat und andere Kunststoffe sind möglich. Außerdem werden oft Farbpigmente zugegeben. Kunstharzestriche werden auf trockenen Untergrund meist in einer einzigen dĂŒnnen Schicht von ca. 8–15 mm eingebaut. Er ist unmittelbar nach dem Mischvorgang zu verarbeiten und eine Verdichtung ist in der Regel auch notwendig.

Diese sehr teuren UntergrĂŒnde werden nur in SonderfĂ€llen eingebaut, zum Beispiel wenn man kurze Trocknungszeiten oder hohe dynamische Belastbarkeit benötigt. Die Schrumpfung bei der Polyaddition liegt je nach Produkt bei 1 bis 5 Prozent. Dies ist bei der Auswahl des Verlegematerials zu berĂŒcksichtigen.

Kunstharzestrich ist wasserbestĂ€ndig, er bildet eine nicht staubende Schicht die fĂŒr schwere mechanische Beanspruchung genutzt werden kann. Gegen die meisten Chemikalien ist der Estrich unempfindlich. Neben dem hohen Preis gibt es noch den Nachteil, einer möglichen Gefahr durch die HĂ€rter, wie z. B. Bisphenol A. Diese stehen in dem Verdacht, Unfruchtbarkeit zu verursachen. Auch ist ggf. eine Änderung der Brandklasse der Gesamtkonstruktion möglich. Der Estrich verliert bei höheren Temperaturen seine BestĂ€ndigkeit und kann in der Regel Temperaturen ĂŒber 100 °C nicht widerstehen. Polykondensate, wie Polyester, sind durch die hohe Schrumpfungsrate nicht geeignet.

Die AushĂ€rtungszeiten sind von dem gewĂ€hlten Kunstharzbindemittel sowie den Temperaturen bei Einbau und AushĂ€rtung abhĂ€ngig. Nach 3 bis 7 Tagen ist der Estrich ĂŒblicherweise belastbar.

Kunstharzestrich gilt als SondermĂŒll und muss beim Entsorger entsprechend deklariert werden.

Calciumsulfatestrich (CA)

Unter Calciumsulfatestriche (CA) werden Estriche zusammengefasst, deren Bindemittel auf Calciumsulfathalbhydrat oder auf wasserfreiem natĂŒrlichem oder synthetischem Calciumsulfat (sogenannter Anhydrit) besteht. Mit Wasser reagierend entsteht Calciumsulfatdihydrat (Gips). Calciumsulfatestriche werden nach DIN EN 13813 mit CA (vom englischen „calcium sulfate screed“) gekennzeichnet und umgangssprachlich hĂ€ufig als Anhydritestrich bezeichnet.

Aufgrund des geringen Schwindverhaltens weisen CA nicht das fĂŒr Zementestrich ĂŒbliche SchĂŒsseln bzw. spĂ€tere Randabsenkungen auf und können großflĂ€chig (bis zu 1000 mÂČ) ohne Dehnfugen verlegt werden. Bewegungsfugen der Unterkonstruktion sind jedoch trotzdem zu ĂŒbernehmen und bei Kombination mit einer Fußbodenheizung sind auch Dehnungsfugen vorzusehen. Sie werden als konventionell zu verarbeitender Estrich oder als Fließestrich eingebaut und sind mit 2–3 Tagen frĂŒh begehbar. Calciumsulfatestriche sollten frĂŒhestens nach 5 Tagen höher belastet werden. Als Fließestriche können CA nach DIN 18560-2 auch mit CAF gekennzeichnet werden. CAF haben die weiteren Vorteile der schnellen, verarbeitungsfreundlichen Verlegung, der geringeren Estrichdicke und der guten WĂ€rmeleitfĂ€higkeit bei Heizestrichen.

Calciumsulfatestriche sind ökologisch und biologisch unbedenklich und benötigen außerdem keine Nachbehandlung. Allerdings muss der Estrich nach dem Einbringen mindestens zwei Tage auf mindestens 5 °C warm gehalten werden und vor schĂ€dlichen Einwirkungen wie zum Beispiel Schlagregen, zu starker ErwĂ€rmung oder Zugluft geschĂŒtzt werden

CA sind nicht wasserbestĂ€ndig und dĂŒrfen keiner andauernden Durchfeuchtung ausgesetzt werden. Sie sind deshalb nicht fĂŒr den Einsatz in gewerblichen NassrĂ€umen oder fĂŒr Außenanwendung geeignet. In hĂ€uslichen FeuchtrĂ€umen (z. B. Bad) werden sie durch eine Verbundabdichtung geschĂŒtzt.

Bei spÀterer Durchfeuchtung ist ein höheres Schimmelrisiko als bei Zement- oder Gussasphaltestrich zu erwarten.

Vor Belagsverlegung bzw. Voranstrich muss der CA auf eine Restfeuchte von 0,5 %, heruntertrocknen, dabei ist nicht relevant ob beheizt oder unbeheizt. Die Restfeuchte wird mit einem CM-MessgerĂ€t ermittelt.

Calciumsulfatestrich gilt als normaler Bauschutt, wenn organische Bestandteile einen Anteil von 5 % nicht ĂŒberschreiten.

Magnesiaestrich (MA)

Magnesia­estrich MA (von Magnesite screed) ist auch unter der frĂŒheren Bezeichnung als Steinholz bekannt. Nach 1945 war Zement rationiert, Magnesit nicht. Deshalb ist er in vielen Altbauten zu finden. Magnesia ist vielen von Turnwettbewerben als „Trockenmittel“ fĂŒr die HĂ€nde bekannt. 1867 entdeckte Stanislas Sorel, dass Magnesia mit Magnesiumchlorid zu einer zementartigen Masse erstarrt. MA ist leicht einfĂ€rbbar und wurde oft mit Holzmehl oder HolzstĂŒckchen vermischt.

Magnesiaestrich wird heute nach DIN 14016 aus kaustischer Magnesia (MgO) und einer wĂ€ssrigen Magnesiumsalzlösung (MgCl2, MgSO4) hergestellt. Als Zuschlag werden anorganische oder organische FĂŒllstoffe verwendet. Außerdem werden teilweise Farbpigmente hinzugegeben.

Sein besonderer Vorteil ist das geringe Gewicht und, aufgrund seiner LeitfĂ€higkeit die Einsatzmöglichkeit als antistatischer Fertigboden. Außerdem weist er gute WĂ€rme- sowie SchalldĂ€mmungswerte auf. Sein großer Nachteil ist die Feuchteempfindlichkeit und KorrosivitĂ€t gegenĂŒber Metallen, da bei Wasserzugabe das enthaltene Chlorid und Magnesiumhydroxid „ausgewaschen“ werden und der MA aufquillt. Er darf nie direkt mit wĂ€ssrigem Mörtel in Kontakt kommen. Eine typische Verwendung heute ist die Verwendung als Nutzestrich fĂŒr große trockene FlĂ€chen.

Wie die meisten anderen Estrichmörtel auch, muss Magnesiaestrich unverzĂŒglich nach dem Mischvorgang eingebaut werden. WĂ€hrend des Einbaus und die folgenden zwei Tage muss die Temperatur ĂŒber 5 °C gehalten werden. Außerdem ist der frische Mörtel fĂŒr mindestens zwei Tage vor WĂ€rme, Schlagregen und Zugluft zu schĂŒtzen. Der Estrich ist frĂŒhstens nach zwei Tagen begehbar und sollte mindestens fĂŒnf Tage nicht höher belastet werden. Weiterhin ist Magnesiaestrich ĂŒber Spannbetondecken wegen der hohen Korrosionsgefahr unzulĂ€ssig.

Lehmestrich

Lehmestrich wurde traditionell als Stampflehmboden eingesetzt. Er findet heute im biologischen bzw. alternativen Bauen Verwendung und spielt im kommerziellen Baubetrieb keine Rolle. Aufgrund der geringeren Zugfestigkeit wird feucht eingebrachter Lehmestrich in der Regel im Verbund (oder auf Trennlage) eingebracht. ErhÀltlich sind aber faserhaltige Lehmbauplatten, die als Trockenestrich schwimmend verlegt werden können.

Kalkestrich

Kalkestrich wird seit Mitte des 20. Jahrhunderts außerhalb der Denkmalsanierung kaum noch verwendet. Ein in England ĂŒbliches Rezept sieht eine Mischung von hydraulischem Kalk (z. B. NHL 5) und zwei bis drei Teilen Sand in einer SchichtstĂ€rke von ca. 10 cm vor. Der Estrich wird relativ trocken eingebracht. Bei Verwendung von grobem Zuschlag mit z. B. 16 mm KorngrĂ¶ĂŸe kann er nach dem GlĂ€tten sofort begangen werden. Bei einer Körnung von 4 mm wird die Begehbarkeit teilweise erst nach 28 Tagen erreicht. Hydraulischer Kalk kann im Gegensatz zum stĂ€rker an der Mischtrommel klebendem Weißkalkhydrat auch mit einem gewöhnlichen Freifallmischer angemischt werden. Die OberflĂ€che kann geglĂ€ttet, mit Leinöl imprĂ€gniert und mit Wachs beschichtet werden.[3]

Faserbewehrte Estriche

Eine Bewehrung fĂŒr Estriche ist nach DIN 18560 grundsĂ€tzlich nicht erforderlich. Sinnvoll ist sie hauptsĂ€chlich bei Zementestrichen auf DĂ€mmschichten zur Aufnahme von Stein- oder KeramikbelĂ€gen. Neben der Möglichkeit einer Bewehrung mit Estrichgittern gibt es die Faserbewehrung. Die Estrichgitter sind auf weichen DĂ€mmschichten schwer lagegenau einzubauen und erschweren darĂŒber hinaus den sauberen Einbau einer Estrichschicht, besonders auf DĂ€mmschichten oder bei Heizelementen. Eine Faserbewehrung ist hingegen einfach einzubauen, die Fasern (Stahlfasern, alkalibestĂ€ndige Glasfasern, Kunststofffasern) werden dem Estrichmörtel zugemischt. Eine Faserbewehrung wird hauptsĂ€chlich zur Verminderung von Rissen eingesetzt. Eine vollstĂ€ndige Vermeidung von Rissen kann auch mit einer Faserbewehrung nicht erreicht werden. Die Funktion einer konstruktiven Bewehrung können Fasern erst bei höherer Menge, welche bei Estrichen unĂŒblich sind, ĂŒbernehmen. Die Zugabe von Fasern kann die Bildung von Schrumpf- und FrĂŒhschwindrissen im Estrich verringern. Anzumerken ist jedoch, dass eine Faserzugabe die Konsistenz des Estrichmörtel herabsetzt und so die Verarbeitung erschwert. GegenĂŒber frĂŒher ĂŒblichen Stahlbewehrungsmatten ist eine Faserbewehrung deutlich preisgĂŒnstiger.

FĂŒr alle zementgebundenen Estriche empfehlen sich alkaliresistente (AR) Glasfasern. Diese sind auch bei der alkalischen Umgebung im Zement bestĂ€ndig. Besonders sinnvoll ist die Verwendung bei Heizestrichen oder UntergrĂŒnden fĂŒr keramische oder NatursteinbelĂ€ge.

Konstruktionsarten

Bei den Konstruktionsarten des Estrichs wird nicht nach Estrichbindemitteln, sondern nach der Bauweisen bzw. der Konstruktionsart unterteilt.

Verbundestrich

Der Verbundestrich wird direkt auf dem tragenden Untergrund aufgetragen und ist mit diesem kraftschlĂŒssig verbunden. Da alle KrĂ€fte direkt in den Untergrund abgeleitet werden, ist die TragfĂ€higkeit durch den Untergrund, i. d. R. eine Betondecke, bzw. durch die Druckfestigkeit des Estrichs begrenzt.

Bei einschichtigen Zement-, Calciumsulfat-, Magnesia- oder Kunstharzestrichen sollte die Nenndicke maximal 50 mm betragen. Bei Gussasphaltestrichen zwischen 20 und 40 mm. Der Untergrund sollte möglichst frei von Rissen sein. Vorbereitend ist der Untergrund grĂŒndlich zu reinigen, um eine gute Verbundwirkung zu erzielen und Hohllagen zu vermeiden. Je nach Material kann es sinnvoll sein, eine HaftbrĂŒcke, zum Beispiel aus einer Kunststoffdispersion oder -emulsion, auf die Tragschicht aufzutragen. Ebenso ist ein teilweise Strahlen oder FrĂ€sen, und gegebenenfalls ein VornĂ€ssen der Tragschicht erforderlich. Wurden Rohrleitungen oder Kabel auf dem Untergrund verlegt, mĂŒssen diese in einen Ausgleichsestrich als Zwischenlage eingebettet werden. Auch wenn der tragende Untergrund nicht eben genug ist, ist ein ebener Ausgleichsestrich vorzusehen, auf dem anschließend der Verbundestrich gegossen wird. Besonders bei hohen dynamischen Lasten ist ein Verbundestrich zu wĂ€hlen. Es gilt die DIN 18560-3.

Estrich auf Trennlage

Eine weitere Möglichkeit einen Estrich zu konstruieren ist als Estrich auf Trennschicht. Dabei befindet sich zwischen dem tragenden Untergrund und dem Estrich eine dĂŒnne Schicht, die die Bauteile voneinander trennt. Diese Schicht besteht in der Regel aus zwei Lagen, so dass der Estrich vom tragenden Untergrund entkoppelt wird und eine spannungsfreie Bewegung möglich ist. Bei Calciumsulfat- und Gussasphaltestrich ist die Trennschicht nur einlagig auszufĂŒhren. Auch an den angrenzenden WĂ€nden wird die Trennschicht und zusĂ€tzlich ein Trennstreifen zur Verhinderung von Einspannung verlegt. Als Material fĂŒr die Trennschicht wird zum Beispiel Polyethylenfolie, kunststoffbeschichtetes Papier, bitumengetrĂ€nktes Papier oder Rohglasvlies verwendet.

Die Estrichkonstruktion mit Trennschicht wird zum Beispiel bei hohen Biegebeanspruchungen in der Tragkonstruktion eingesetzt oder wenn der Tragbeton wasserabweisend ist. Um den Boden vor aufsteigender Feuchtigkeit zu schĂŒtzen, kann eine Abdichtung eingebaut werden, die zudem auch als eine Lage der zweilagigen Trennschicht gezĂ€hlt wird.

FĂŒr eine funktionierende Konstruktion ist es wichtig, dass der tragende Untergrund eine ebene FlĂ€che ohne unregelmĂ€ĂŸige Erhebungen oder störende Rohrleitungen ist. Das Kriechen und Schwinden und die damit einhergehenden Verformungen des Rohbetons können die Ebenheit zusĂ€tzlich beeinflussen. Das kann dazu fĂŒhren, dass die Bewegung des Estrichs eingeschrĂ€nkt wird und sich durch Zwangsspannungen Risse bilden. Bei einem Altbau ist das Risiko in der Regel nicht mehr gegeben, da im Ă€lteren Untergrund so gut wie keine Schwindeffekte mehr auftreten.

FĂŒr einen Estrich auf Trennschicht (DIN 18560-4) werden die erforderlichen Festigkeits- bzw. HĂ€rteklassen in der DIN EN 13813 geregelt.

Schwimmender Estrich

Schwimmender Estrich wird auf einer DĂ€mmschicht aufgebracht und seitlich von DĂ€mmstreifen begrenzt, so dass kein Kontakt zum Untergrund sowie zu WĂ€nden und anderen mit dem Baukörper verbundenen Bauteilen besteht. Die flexible Schicht behindert die Schall- und WĂ€rmeĂŒbertragung vom Fußboden zum Baukörper und erlaubt die freie WĂ€rmedehnung des Estrichs. Eine Folie unter flĂŒssig eingebrachtem Estrich verhindert, dass die DĂ€mmschicht durchfeuchtet. Üblich sind Folien aus Polyethylen mit einer Dicke von mindestens 0,1 mm bzw. 0,15 mm unter Heizestrichen. Folienbahnen werden an den StĂ¶ĂŸen mindestens um 80 mm ĂŒberdeckt und seitlich bis ĂŒber den Randstreifen hochgefĂŒhrt.[4] Aufgrund der nachgiebigen DĂ€mmschicht dĂŒrfen besonders in Rand- und Eckbereichen keine hohen Einzellasten eingebracht werden.

Sind in dem Estrich oder der DĂ€mmschicht Heizelemente enthalten, spricht man von einem Heizestrich.

Die DIN 18560-2 enthĂ€lt Tabellen zur Ermittlung der erforderlichen Estrichdicke in AbhĂ€ngigkeit der zu erwartenden Nutzlasten und Biegezugfestigkeitsklasse bzw. HĂ€rteklasse des verwendeten Materials (nach DIN EN 13813). Geringere Dicken sind möglich, wenn eine EignungsprĂŒfung nach DIN 18560-2 Abschnitt 6.2 und DIN EN 13813 durchgefĂŒhrt wird, bei der Probekörper aus dem Estrich geschnitten werden, um TragfĂ€higkeit und Durchbiegung zu ermitteln. Bei Heizestrichen mĂŒssen die Heizelemente im Probekörper enthalten sein.[4] Werden hochfeste Materialien verwendet, ist ein schwimmender Estrich bereits ab einer Dicke von 30 mm möglich. Unter Keramik- und SteinbelĂ€gen sieht die DIN 18560-2 bei Calciumsulfat-Fließestrichen (CAF) eine Mindestdicke von 40 mm und bei anderen Estrichen eine Mindestdicke von 45 mm vor.[4]

Schwimmende Estriche sollen gleichmĂ€ĂŸig dick ausgefĂŒhrt werden. Ein GefĂ€lle muss entsprechend im Untergrund oder im DĂ€mmstoff angelegt sein.[4]

Der Untergrund muss ausreichend eben sein, um zu gewĂ€hrleisten, dass keine SchallbrĂŒcken entstehen oder die Dicke des Estrichs ĂŒber der DĂ€mmschicht schwankt. Einige Systemhersteller machen eigene Vorgaben zur Ebenheit des Untergrunds. Rohrleitungen auf dem Rohboden sollen fixiert sein. Eine TrittschalldĂ€mmschicht ist in vorgesehener StĂ€rke oberhalb der Rohrleitungen anzuordnen. Eine SchĂŒttung muss entweder in gebundener Form verwendet oder ihre Eignung muss nach gewiesen werden. Fugen im Untergrund sollen gradlinig verlaufen und eine gleichmĂ€ĂŸige Breite und gleichmĂ€ĂŸige Kante besitzen.[4]

WĂ€nde sollen verputzt werden, bevor die DĂ€mmschicht verlegt wird.[4] Beim nachtrĂ€glichen Verputzen besteht die Gefahr, dass die trittschalldĂ€mmende Funktion des RanddĂ€mstreifen durch aufliegenden Putzmörtel beeintrĂ€chtigt wird oder dass der untere Rand des Wandputzes sich beim Anbringen von Fußleisten von der Wand ablöst.

Eine Abdichtung gegen aufsteigende Feuchte (nach DIN 18195-4 und DIN 18195-5) ist unter dem Estrich anzuordnen.[4]

Die DÀmmschicht hat die Funktion der TrittschalldÀmmung oder der WÀrmedÀmmung. Als DÀmmschicht werden meist DÀmmmatten oder -platten verwendet. Typische Materialien sind z. B. Polystyrol-Hartschaum (EPS), extrudierter Polystyrol-Hartschaum (XPS), Mineralfasern (Stein- oder Glaswolle) oder Holzweichfasern. Bei der Wahl des DÀmmmaterials ist die VerformungsstabilitÀt eine entscheidende Eigenschaft.

Falls unterschiedliche DĂ€mmschichtlagen ĂŒbereinander angeordnet werden, muss der steifere DĂ€mmstoff oben liegen. Eine Ausnahme kann bei Heizsystemplatten und WĂ€rmedĂ€mmplatten zum Rohrausgleich gemacht werden. DĂ€mmstoffe unter elektrisch beheiztem Estrich mĂŒssen bis 90 Â°C temperaturbestĂ€ndig sein.[4]

DĂ€mmplatten werden dicht aneinander gestoßen. Bei mehreren Lagen werden die StĂ¶ĂŸe versetzt angeordnet. TrittschalldĂ€mmstoffe werden höchstens zweilagig ausgefĂŒhrt. Der Randstreifen soll bereits vor dem Verlegen der TrittschalldĂ€mmung angeordnet werden, so dass die TrittschalldĂ€mmung an diesen anstĂ¶ĂŸt. Bei unebenem Untergrund darf der DĂ€mmstoff nicht hohl liegen.[4]

Geeignet sind DĂ€mmstoffen nach DIN EN 13162, DIN EN 13163 DIN EN 13164, DIN EN 13165, DIN EN 13166, DIN EN 13167, DIN EN 13168, DIN EN 13169, DIN EN 13170 und DIN EN 13171, soweit diese auch in DIN V 4108-10 oder anderen Anwendungsnormen fĂŒr den WĂ€rmeschutz und/oder den Schallschutz schwimmender Estriche aufgefĂŒhrt sind. FĂŒr andere DĂ€mmstoffe muss Gebrauchstauglichkeit nach den bauaufsichtlichen Vorschriften nachgewiesen werden.[4]

Die DĂ€mmschicht muss zusĂ€tzlich fĂŒr die vorgegebene Verkehrslast geeignet sein. Die ZusammendrĂŒckbarkeit c der DĂ€mmschicht entspricht der Differenz zwischen der ursprĂŒnglichen Dicke dL und der Dicke unter der Nenn-Belastung dB. DĂ€mmstoffe werden mit dem Zahlenwert der Dicke des Materials und nachgestellt mit der ZusammendrĂŒckbarkeit (mit dem Vorsatz CP) gekennzeichnet, jeweils in Millimetern. 20 - CP3 steht dementsprechend fĂŒr eine StĂ€rke von 20 mm und eine ZusammendrĂŒckbarkeit von 3 mm. Bei mehreren Lagen ist die ZusammendrĂŒckbarkeit der einzelnen Lagen entsprechend zu addieren. Druckbelastbare WĂ€rmedĂ€mmstoffe, die keine schalldĂ€mmenden Eigenschaften haben, sind kaum kompressibel, so dass ihre ZusammendrĂŒckbarkeit nicht berĂŒcksichtigt werden braucht. Die ZusammendrĂŒckbarkeit c der DĂ€mmschicht soll bei einem Heizestrich je nach Nutzlast höchstens 3 bzw. 5 mm und bei Gussasphalt-Heizestrichen maximal 3 mm betragen.[4]

Estrichmörtel enthalten hĂ€ufig Kunstharze deren Inhaltsstoffe organische DĂ€mmstoffe angreifen können. Dies gilt insbesondere, wenn die Kunstharze Lösemittel enthalten, sowie fĂŒr Estriche, die ausschließlich Kunstharz als Bindemittel enthalten. Ein Kontakt sollte dann durch eine unempfindliche Trennlage verhindert werden.[4]

Gussasphaltestriche bleiben dauerhaft plastisch verformbar. Wenn Gussasphalt auf SchĂŒttungen oder nachgiebige DĂ€mmstoffe aufgebracht wird, sollte eine verformungsbestĂ€ndige DĂ€mmplatte als Zwischenlage vorgesehen werden. Die Unterlage muss hitzebestĂ€ndig sein, da Gussasphalt bei einer Temperatur von 250 °C eingebracht wird. Üblicherweise wird eine Trennschicht aus Rippenpappe oder Glasvlies eingesetzt.[4]

Heizestrich (Fußbodenheizung)

Die DIN 18560-2 sieht bei einem Heizestrich drei verschiedene Bauarten vor. So können die Heizelemente innerhalb des Estrichs (Bauart A), in der DĂ€mmschicht unterhalb des Estrichs (Bauart B) oder in einem Ausgleichsestrich (Bauart C) angeordnet sein (ĂŒber dem auf einer Trennschicht eine weitere Lage Estrich eingebracht wird).[4]

Heizestriche werden vorteilhaft als schwimmender Estrich ĂŒber einer DĂ€mmschicht eingebracht. Durch die Trennung von der tragenden Decke verringern sich die WĂ€rmeverluste nach unten, der Estrich heizt sich schneller auf und es treten keine WĂ€rmespannungen zwischen Estrich und Untergrund auf. Elastische DĂ€mm- und Dehnungsstreifen am Rand des Estrichs erlauben die freie WĂ€rmedehnung zur Seite.

Zu beachten ist die DIN 18560-2, neben diversen MerkblĂ€ttern des ZDB (Zentralverband Deutsches Baugewerbe) und des BEB (Bundesverband Estrich und Belag). Es mĂŒssen Messstellen fĂŒr die CM-Feuchtemessung ausgewiesen werden, pro Raum mindestens 2 Messstellen, bei RĂ€umen ĂŒber 50 mÂČ mindestens 3. Bei Heizestrichen mit mehr als 8 m SeitenlĂ€nge oder mehr als 40 mÂČ FlĂ€che mĂŒssen Bewegungsfugen vorgesehen werden.

Bei Warmwasser-Fußbodenheizungen ist die dauerhafte mittlere Temperatur im Bereich der Heizelemente im Estrich bei Gussasphaltestrichen auf 45 °C und bei Calciumsulfat- und Zementestrichen auf 55 °C zu beschrĂ€nken. Bei Elektro-Fußbodenheizungen gelten fĂŒr Gussasphaltestriche 55 °C und fĂŒr Calciumsulfat- und Zementestriche 65 °C.[4]

Werden mehrere Estrichfelder durch Bewegungsfugen voneinander abgegrenzt, dĂŒrfen die Heizelemente nicht ĂŒber die Fugen hinweg verlaufen. Fugen kreuzende Anschlußleitungen sollen ĂŒber eine LĂ€nge von ca. 30 cm durch ein Schutzrohr gefĂŒhrt werden.[4]

Calciumsulfat- und Zement-Heizestrich

Werden in schwimmenden Estrichen Heizelemente integriert, so muss die Mindestdicke entsprechend der Tabellen der DIN 18560-2 um die Höhe der eingebetteten Heizelemente vergrössert werden. Die Überdeckung der Heizelemente betrĂ€gt bei der Biegezugfestigkeitsklasse F4 mindestens 45 mm und bei Fließestrichen (Biegezugfestigkeitsklasse CAF-F4) mindestens 40 mm. Generell muss die RohrĂŒberdeckung immer mindestens 30 mm betragen. Geringere Dicken sind möglich, wenn eine PrĂŒfung auf TragfĂ€higkeit (bei Stein- und keramischen BelĂ€gen auch auf Durchbiegung) nach DIN 18560-2 Abschnitt 6.2 und DIN EN 13813 durchgefĂŒhrt wird.[4]

Liegen die Heizelemente in einem Ausgleichsestrich (Bauart C) aus Calciumsulfat, darf die mit einem CM-GerĂ€t gemessene Feuchte höchstens bei 0,3 % liegen, wenn die Trennschicht aufgebracht wird. Ausgleichsestriche dĂŒrfen Schwindrisse aufweisen, da die lastverteilende Funktion von der darĂŒberliegenden Estrichschicht ĂŒbernommen wird.[4]

Gussasphalt-Heizestrich

Schwimmende Gussasphalt-Heizestriche können nach DIN 18560-2 nur in der HĂ€rteklasse IC 10 nach DIN EN 13813 ausgefĂŒhrt werden. Die Mindestnenndicke des Estrichs liegt bei einer Nutzlast von 2,0 kN/mÂČ bei 35 mm und bei einer Nutzlast bis 5,0 kN/mÂČ bei 40 mm. Die RohrĂŒberdeckung betrĂ€gt mindestens 15 mm.[4]

Trockenestrich

Unter einem Trockenestrich versteht man einen Estrich aus vorgefertigten Teilen, die auf der Baustelle kraftschlĂŒssig miteinander verbunden werden. Daher ist er auch unter dem Namen „Fertigteilestrich“ oder „Trockenunterboden“ bekannt. Trockenestriche sind nicht normativ erfasst. Es handelt sich hierbei generell um Sonderkonstruktionen, die besonders beauftragt werden mĂŒssen. Hierbei hat der Planer eine höhere Verantwortung bzw. Planungshaftung. Es gilt die VOB/C ATV DIN 18340 „Trockenbauarbeiten“. FĂŒr Fertigteileestriche aus Holzspanplatten ist die DIN 68771 zu beachten.

Bei Trockenestrichen kommen nachfolgende Materialien zum Einsatz:

Bei unebenen UntergrĂŒnden ist ein Ausgleich notwendig, z. B. durch eine selbstverlaufende Ausgleichsmasse oder eine SchĂŒttung aus TonkĂŒgelchen, Perlite, Kunststoffen oder anderen Materialien. Eine Spachtelung des Untergrunds wĂ€re bei kleineren Unebenheiten möglich. In Nassbereichen ist die FeuchtebestĂ€ndigkeit zu berĂŒcksichtigen. Es ist erforderlich, die einzelnen Fertigteilplatten miteinander zu verbinden.

Verbindungsarten:

  • Stumpf gestoßen und verklebt
  • Geklebtes Verbindungssystem mit Nut und Feder
  • Breiter Stufenfalz, geklebt oder verschraubt mit Verklebung
  • Zweilagige Verlegung mit versetzten Fugen, Lagen ganzflĂ€chlig verklebt, verschraubt oder durch Tackerklammern verbunden

Vor- und Nachteile von Trockenestrichen

  • Vorteile von Trockenestrichen:
    • einfache und schnelle Verlegung auch durch Laien mit geringem GerĂ€teaufwand
    • keine Wartezeit durch Trocknung,
    • keine FeuchteprĂŒfung und Trocknungsprotokolle,
    • keine Feuchtigkeitsbelastung des Baukörpers,
    • leichterer Aufbau, ungefĂ€hr vergleichbar mit einem Magnesitestrich,
    • geringere Konstruktionshöhen (Aufbauhöhe) als bei konventionellen Estrichen,
    • grĂ¶ĂŸere Höhendifferenzen sind durch SchĂŒttungen leicht ausgleichbar, dadurch geringere Gewichtsbelastung.
    • schnellere Reaktion bei Fußbodenheizung durch geringere aufzuheizende Masse
  • Nachteile von Trockenestrichen:
    • ebener Untergrund ist erforderlich (SchĂŒttung, Spachtelung),
    • die Gesamtkonstruktion muss ggf. hinsichtlich Belastbarkeit von einem Statiker bestimmt werden,
    • bei Fußbodenheizungen sind Temperaturobergrenzen zu beachten (ebenso wie bei flĂŒssig eingebrachtem Estrich),
    • mit Ausnahme von zementgebundenen Platten mehr oder weniger feuchteempfindlich
    • bei umfangreichen Bauprojekten können die Kosten höher liegen, als bei flĂŒssig eingebrachten Estrichen (der Aufwand fĂŒr Mörtelpumpen, BetonglĂ€tter etc. relativiert sich bei großen FlĂ€chen),
    • noch relativ neue Bauprodukte mit gegebenenfalls höherem Haftungsrisiko fĂŒr den Planer.

FlĂŒssig eingebrachte Estriche

In den Normen ist teilweise vorgesehen, nach Fertigstellung eines nass eingebauten Estrichs, die Dicke der Estrichschicht an mehreren Stellen zu kontrollieren. Vor dem Aufbringen eines feuchteempfindlichen Fußbodenbelags oder einer diffusionsdichten Schicht ist zudem die Feuchtigkeit zu bestimmen. Auch die Feuchtigkeit ist an mehreren Stellen zu bestimmen, da die Austrocknungszeit von der Dicke der Estrichschicht abhĂ€ngt, so dass der Feuchtegehalt eines ungleichmĂ€ĂŸig stark eingebrachten Estrichs lokal variieren kann. Relevant ist der Feuchtigkeitsgehalt an der dicksten Stelle.[5]

Abbindeverhalten und Fugen

Zementgebundener Estrich schwindet beim Abbinden.

In der Norm ist vorgesehen, dass insbesondere bei schwimmenden Estrichen an EinschnĂŒrungen in der Ausdehnung bzw. im Querschnitt sowie an Innenecken Dehnungsfugen (Bewegungsfugen) vorzusehen sind. An ÜbergĂ€ngen zu senkrechten und/oder im Untergrund verankerten Bauteilen sind bei schwimmenden Estrichen Randfugen auszubilden, um Spannungen im Estrich sowie eine Weitergabe von Schall zu vermeiden.[6] GrĂ¶ĂŸere EstrichflĂ€che werden etwa alle 6 Meter durch Scheinfugen unterteilt. Scheinfugen werden etwa durch einen Kellenschnitt im noch feuchten Estrich hergestellt und mĂŒssen nicht durch die gesamte Dicke des Estrichs reichen. Beim Abbinden reißt der schwindende Estrich dann im Bereich der Scheinfugen. Nach dem Austrocknen können die Scheinfugen geschlossen werden. Sollen rißempfindliche BodenbelĂ€ge wie Keramik- oder Steinplatten verlegt werden, so werden oft quer zur Scheinfuge Schnitte im Estrich angeordnet, die gemeinsam mit der Scheinfuge mit einem Kunstharz kraftschlĂŒssig vergossen werden. Im Bereich von TĂŒrdurchgĂ€ngen werden Scheinfugen insbesondere bei Heizestrichen oft nicht verschlossen. In Keramik- und SteinbelĂ€gen sollte ĂŒber der Scheinfuge dann eine Bewegungsfuge vorgesehen werden.[4]

Aufgrund des Feuchtegradienten im abtrocknenden Estrich schwindet dieser an der OberflĂ€che stĂ€rker als unten und es kommt bei Estrichen auf Trennlage zu einer AufschĂŒsselung, die sich durch eine leichte Anhebung des Estrichs an RĂ€ndern und an gegebenenfalls vorhandenen Bewegungs- und Arbeitsfugen bemerkbar macht. Unterliegende DĂ€mmschichten erlauben es dem Estrich, mittig einzusinken, wodurch sich eine Aufwölbung der RĂ€nder gegenĂŒber angrenzenden Bauteilen reduziert. Bei auf Folie verlegten Estrichen kann es an den RĂ€ndern eher zur Hohllage kommen, als auf schwimmendem Estrich.[5]

Belegereife

Eine Definition der Belegreife lautet: „Die Belegreife ist der erreichte Zustand eines Estrichs in Bezug auf Abbinde- und Trocknungsreaktionen, in dem er fĂŒr die schadens- und mangelfreie, dauerhafte Aufnahme eines Belags geeignet ist.“ Dazu werden drei wesentliche zeitabhĂ€ngige Parameter genannt: ‱ Ausreichende Trocknung ‱ Ausreichende Festigkeit ‱ Ausreichender Schwindungsabbau

Üblicherweise wird die Belegreife aber nur an der ausreichenden Trocknung festgemacht, dazu wird die CM-Messung verwendet. Ein Estrich muss die sogenannte Gleichgewichtsfeuchte erreicht haben, damit er als belegreif gilt. Das bedeutet, dass sein Wassergehalt im Gleichgewicht mit der umgebenden Raumluft steht. FĂŒr Naturstein und Keramik ist zudem auch die VerformungsstabilitĂ€t entscheidend, wĂ€hrend bei Parkett bzw. Weichboden, wie PVC, Linoleum oder Kautschuk die Feuchtigkeit ausschlaggebend ist.

FĂŒr den Natursteinbereich bedeutet es, dass die zu erwartende Schwindung des Estrichs so weit wie möglich abgeschlossen sein muss. Bei zu hoher Raumtemperatur oder eingeschalteter Fußbodenheizung wirkt der Estrich zwar trocken, ist aber noch lange nicht belegreif. FĂŒr die mit Wasser angemischten Estrichmörtel sind ausreichend lange Trocknungszeiten (inkl. AushĂ€rtung) einzuhalten.

Je nach Luftwechsel, Raumtemperatur, relativer und absoluter Luftfeuchte kann sich diese Zeit erheblich verlĂ€ngern. Die Werte fĂŒr die zulĂ€ssige Restfeuchte bis zur Belegreife sind abhĂ€ngig von der Estrichart, von der unbeheizten oder beheizten Konstruktion und von der spĂ€teren Belagsart. Eine Zwangstrocknung kann zu einer unterbrochenen Hydratation fĂŒhren und bei spĂ€terem Feuchteeintrag (Mörtel des Oberbelags) Verformungen mit Rissbildung hervorrufen. Die Richtwerte fĂŒr den Feuchtegehalt bei Belegreife nach der CM-Methode betragen fĂŒr beheizte Zementestriche 1,8 CM-% (bei unbeheizt 2 CM-%). Wenn der gemessene Wert den Richtwert unterschreitet, ist der Estrich belegreif.

Bei Calciumsulfatestrichen ist eine erhöhte Trockenheit notwendig. Der Richtwert liegt bei 0,3 CM-% (bei unbeheizt 0,5 CM-%). Außerdem sind Calciumsulfatestriche vor aufsteigender Feuchtigkeit oder Wasserdampfdiffusion mit Dampfsperren und Abdichtungen zu schĂŒtzen.

Die angegebenen Werte entsprechen CM-%. Diese Werte werden mit einem Calciumcarbid-MessgerĂ€t (CM-GerĂ€t) ermittelt. Die CM-Messung ist normativ vorgeschrieben. Dabei wird eine kleine Menge Estrich aus dem vorhandenen Estrich entnommen, zerkleinert und unter Zugabe von Calciumcarbid in einer Stahldruckflasche aufgeschĂŒttelt. Das Calciumcarbid reagiert unter Druckanstieg mit dem Restwasser zu dem Gas Ethin (Acetylen). Der Druck wird mittels Manometer gemessen und kann mit einer Eichtabelle auf CM-% umgerechnet werden. Mit ZusĂ€tzen, die so genannte „schnell trocknende Estriche“ enthalten, kann die Belegreife ggf. verkĂŒrzt werden. Diese Schnellestriche sind keine normgerechten Estriche, sondern Sonderkonstruktionen. Sie sind daher mit Vorsicht zu benutzen, weil teilweise keine sicheren Aussagen ĂŒber die Belegreife gemacht werden können, es muss sich auf die Angaben des Herstellers verlassen werden.

Normen und Richtlinien

Die geltenden Normen fĂŒr Estriche sind innerhalb der EU:

  • DIN EN 13318 Estrichmörtel und Estrich-Begriffe
  • DIN EN 13813 Estrichmörtel und Estrichmassen – Eigenschaften und Anforderungen
  • DIN EN 13892 PrĂŒfverfahren fĂŒr Estrichmörtel und Estrichmassen, Teil 1 bis 8

ZusÀtzlich gilt in Deutschland:

  • DIN 18560 Estriche im Bauwesen, deutsche Anwendungsregeln
    • Teil 1: Allgemeine Anforderungen, PrĂŒfung und Anwendungsregeln
    • Teil 2: Estrich und Heizestriche auf DĂ€mmschichten
    • Teil 3: Verbundestriche
    • Teil 4: Estriche auf Trennschicht
    • Teil 7: Hochbeanspruchte Estriche (Industrieestriche)

Schwimmender Estrich

Laut DIN 18560-2 (2004-04) gilt diese Norm „zusammen mit DIN 18560-1, DIN EN 13318 und DIN EN 13813 fĂŒr Estriche auf DĂ€mmschichten [...], die Anforderungen an den WĂ€rme- und/oder Schallschutz zu erfĂŒllen haben. Als Heizestriche dienen sie außerdem zur Aufnahme der Heiz-/KĂŒhlelemente (z. B. Rohre) fĂŒr die Raumheizung/-kĂŒhlung. FĂŒr schwimmende Estriche, die hohen Beanspruchungen unterliegen, gilt zusĂ€tzlich DIN 18560-7.“

KonformitÀtskontrolle

Die KonformitĂ€tskontrolle bei normativ erfassten werkgefertigten Estrichen umfasst die ErstprĂŒfung und eine werkseigene Produktionskontrolle bzw. EigenĂŒberwachung.

Eine ErstprĂŒfung muss bei Produktionsbeginn des Estrichs bzw. vor der Herstellung eines jeweils neuen Produktes oder aber bei VerĂ€nderungen von Reaktanten durchgefĂŒhrt werden. Auch eine VerĂ€nderung und eine Umstellung des Herstellverfahrens erfordern eine jeweilige ErstprĂŒfung. Die erforderlichen PrĂŒfungen fĂŒr die jeweilige Estrichart sind in der DIN EN 13813 geregelt.

Bei sogenannten Baustellenestrichen erfolgen eine PrĂŒfung der Lieferscheine sowie eine SichtprĂŒfung der Edukte. Der Herstellungsvorgang als solcher muss in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden kontrolliert werden. In AusnahmefĂ€llen kann eine ErhĂ€rtungsprĂŒfung anfallen und in SonderfĂ€llen, wenn erhebliche Zweifel an der GĂŒte des Estrichs im Bauwerk bestehen, kann auch eine BestĂ€tigungsprĂŒfung notwendig sein.

Commons: Estrich â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Estrich â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ DIN EN 13318: Estrichmörtel und Estriche – Begriffe.
  2. ↑ Brokamp / Trettin: Belegereife und Feuchte, TKB-Bericht 1
  3. ↑ Friedrich Idam im GesprĂ€ch mit Rita Mullen: Kalkestrich, Podcast Simple Smart Buildings, 28. March 2025. In: podigee.io
  4. ↑ a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t nach DIN 18560-2
  5. ↑ a b Ralf Marth: Technik - Experten erklĂ€ren: Estriche auf Trennlage, Heftarchiv der Zeitschrift bodenwanddecke, 12. MĂ€rz 2015. In: Boden-Wand-Decke.de
  6. ↑ Artikel Scheinfugen, InformationsZentrum_Beton GmbH, DĂŒsseldorf. In: Beton.wiki